MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Antje Rauch-Hoffmann
Stolpersteine auf dem Weg in ein humanitäres Leben
geborene Dinort
mit Tochter Ariane
Krankenschwester mit Staatsexamen
99089 Erfurt
Das Mädchen Antje, 1965 geboren, war gesundheitlich bedingt, ein eher schwieriger Teenagern und als Nachkömmling bereits älterer Eltern (eine Schwester, verstorben 1972 und ein Bruder, bis heute guten Kontakt) eine echte Herausforderung. Sie begehrte auf, schloss sich der Bluesszene an, schwänzte die Schule und verursachte bewusst Ärger. Sie wollte und musste deshalb die 9. Klasse verlassen. Trotzdem einen „ordentlichen Beruf“ und einen entsprechenden Lehrbetrieb zu finden war nicht einfach. Ihrem impertinenten Auftreten fast unvereinbar gegenüber stand ihr Wunsch einen pflegerischen Beruf zu ergreifen. Das gelang und wurde zum Start in ein zielorientierteres Leben. Am Ehrgeiz gepackt, durchlief sie die Ausbildung zum Facharbeiter für Krankenpflege im „Feierabend- und Pflegeheim Erfurt“, schloss mit sehr guten Ergebnissen ab. Ein Praktikum im Pflegeheim für geistig und körperlich behinderte Kinder begeisterte sie für die Arbeit dort und wurde zur neuen Herausforderung für sie. Neben der Arbeit absolvierte sie nun die 10. Klasse, beendete auch diese mit einem „sehr gut“ und fasste sofort ein neues Ziel ins Auge: Krankenschwester wollte sie jetzt werden. Die Bewerbung an der Medizinischen Fachschule Erfurt war erfolgreich, trotz Veto ihres Delegierungsbetriebes wegen fehlender Mitgliedschaft in der SED. Die junge Frau war erfinderisch, trat der CDU bei. Als Mitglied einer Blockpartei konnte ihr die Delegierung nicht verweigert werden. Diese fachliche Qualifizierung fiel genau in die Wendezeit (1989–1991) was besondere Umstände mit sich brachte. Zurückgekehrt in ihren Delegierungsbetrieb erlebte sie die Wirren der Wendezeit als sehr aufregend. Die Medien der alten Bundesländer stellten Umgang und Betreuung behinderter Kinder in der DDR sehr negativ dar, berücksichtigten weder die materiellen und personellen Möglichkeiten noch die ausgleichende Herzenswärme und aufopfernden Leistungen des Pflegepersonals. Ein diskriminierendes Gefühl machte sich vorerst breit. Antje Rauch-Hoffmann erlebte den folgenden Wandel mit mehr Personal, erweiterten Möglichkeiten, neuen Chefs und dem Betreiben der Einrichtung in Wohngruppen. Hier war sie Leiterin von einer Wohngruppe. Das angebotene Hochschulstudium konnte sie nicht annehmen, Eheschließung und eigene Mutterschaft (1992: Tochter Ariane) verhinderten das. Nach dem Mutterurlaub nahm sie eine Weiterbildungsmaßnahem vom Arbeitsamt an, erhielt einen Befähigungsnachweis für die sozialpädagogische Arbeit. In einer neurologisch-psychiatrischen Praxis arbeitete sie sieben Jahre. Infolge der Trennung von ihrem ersten Mann und der Notwendigkeit mehr Geld verdienen zu müssen, nahm sie eine Arbeit in einem Seniorenheim auf, wurde Wohnbereichsleiterin. Nach zwei Jahren wechselte sie in ein anderes Seniorenheim mit der Aussicht dort ergotherapeutisch tätig werden zu können nach einer Übergangszeit auf der Station. Das Versprechen wurde nicht eingehalten, die Belastung zu groß, die Gesundheit so massiv beeinträchtigt, dass sie 2008 als EU-Rentnerin wegen eine bipolaren Störung ganz aus dem Arbeitsprozess ausscheiden musste. Mit großem Stolz kann sie auf ihre Entwicklung zurückblicken: Nicht nur, dass sie ausbildungsmäßig nach schlechtem Start noch sehr viel erreicht hat, sie trotzt bis heute ihrer Erkrankung, ist selbst immer wieder ehrenamtlich sozial tätig, arbeitet aushilfsweise in einem Sportstudio. 2005 lernte sie Knut Hoffmann (Facharbeiter für Logistik) kennen und 2012 heiratete sie ihn. Kreative Beschäftigungen und ihr Kätzchen vervollkommnen ihren Alltag. Und wenn auch die Geburt von Tochter Ariane einst das unbedingt gewollte Hochschulstudium verhinderte, ist sie mehr als glücklich über diesen „Tausch“ in ihrem Leben! Als Kind für den Schwimmsport gesichtet, ca. vier Jahre in dem Metier gefördert, konnte sie wegen einem schweren Unfall zwar den Sport nicht weiter betreiben, die dabei erlernte Zielstrebigkeit und das Durchsetzungsvermögen aber haben sie ihr Leben begleitet und schwere Zeiten wie die Pflege und Palliativpflege ihrer geliebten Eltern durchstehen lassen.