MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rau
Sehr früh den Ernst des Lebens kennen gelernt
Werkzeugmacher
Albertstr. 9
09661 Hainichen
Bei einem Gespräch mit Hermann Rau lernt man einen ruhigen und ausgeglichenen Menschen kennen, der vor allem Wert auf Pünktlichkeit legt. Er wird am 15. April 1932 im heute polnischen Ostritz geboren und muss schon sehr früh den Ernst des Lebens kennenlernen. Der Vater stirbt als der Junge zwei Jahre alt ist, dieser ist das elfte Kind seiner Eltern. Die Mutter ist nun allein für die große Familie verantwortlich. „Die Umstände brachten es mit sich, dass ich nie richtig Kind sein konnte. Ab dem sechsten Lebensjahr bis 1945 habe ich regelmäßig beim Bauern die Kühe gehütet, der einzige Lohn waren die Mahlzeiten, aber so habe ich wenigstens keinen Hunger kennenlernen müssen“, erinnert sich Hermann Rau.
Nach der Vertreibung und der darauffolgenden Odyssee kommt die Familie am 17. Februar 1945 in Hainichen an. Der erste Schultag in der neuen Heimat wird von einem Fliegerangriff überschattet. Neben der Schule arbeitet Hermann Rau viel bei einem Stellmacher, er will einmal Tischler werden. Doch nach dem Ende der Schulzeit muss er zusammen mit der Mutter zunächst wieder bis 1949 bei einem Bauern arbeiten. Hier lernt er auch seine Frau Hildegard, einen sehr liebevollen Familienmenschen, kennen. Er und die gelernte Damenschneiderin heiraten 1954, sie sind 62 Jahre verheiratet. Im Jahr 1965 wird die Tochter Karin geboren, die Frau verstirbt 2016. Im Jahr 1950 geht Hermann Rau ein Jahr in den Westen, weil er in der Heimat keine Arbeit findet. Nach der Rückkehr übt er verschiedene Tätigkeiten als Gelegenheitsarbeiter aus, er ist unter anderem beim Aufbau des neuen Stadions in Aue beteiligt.
Endlich findet Hermann Rau eine Lehrstelle als Stahlhochbauer, später beherrscht er mehrere Handwerksberufe, von 1954 bis zur Wende arbeitet er bei den Barkas-Werken in Hainichen. Hier arbeiten zeitweilig bis zu 1000 Menschen, im Jahr 1989 sind es 800. Die Fertigungshallen sind inzwischen alle abgerissen. Er ist außerdem 30 Jahre Mitglied der Betriebsfeuerwehr. Hermann Rau geht 1991 in den Vorruhestand, er macht sich von Anfang an keine Illusionen über die westliche Arbeitswelt. Lange Jahre ist er außerdem Mitglied im Vorstand des „Kleingartenvereins Hainichen“ und Träger von dessen Ehrennadel in Bronze, Silber und Gold.
Hermann Rau blickt mit Stolz auf das Geschaffene in einem langen Arbeitsleben zurück. Er lebt sehr gern in seiner Heimat und ist glücklich, noch bei einigermaßen guter Gesundheit zu sein. Der Vater und die Tochter hängen sehr aneinander und freuen sich immer wieder auf den Besuch der beiden Enkel. Hermann Rau ist am liebsten mit fröhlichen Menschen zusammen und wünscht sich, dass es seiner Familie auch in Zukunft gut geht.