MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Rausch
Ein chaotisches Genie
Am Kreuzchen 50
99092 Erfurt
Fon: 0361 / 2257517
Gerhard Rausch wird am 26. Oktober 1938 in Annaberg/Erzgebirge geboren. Im September 1944 wird er in Dresden eingeschult und muss am 13. Februar 1945 den mörderischen anglo-amerikanischen Angriff auf Dresden erleben. Die dabei abgeworfenen Phosphorbomben jagen ihm einen solchen Schrecken ein, dass er zu stottern anfängt. Einzelne Anfälle kommen sogar noch heute wieder. Die Familie muss Dresden verlassen, nach mehreren Umzügen landet sie schließlich in Erfurt. Gerhard Rausch wird noch einmal eingeschult und verlässt die Schule 1958 mit dem Abschluss der achten Klasse. Er erlernt anschließend den Beruf eines Apparate- und Anlagenbauers und wird außerdem auch noch Werkzeugmacher. Nach der Lehre meldet sich Gerhard Rausch freiwillig zum Dienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA), erlebt hier 1962 die Kuba-Krise mit und wird ein Jahr später aus der Volksmarine entlassen. Danach arbeitet er als Feinmechaniker an der Medizinischen Akademie in Erfurt und absolviert neben der Arbeit eine Fortbildung in Jena. Ab 1973 ist Gerhard Rausch im Funkwerk 2 in der mechanischen Abteilung tätig, arbeitet ab 1975 bei „Pneumatik“ als Dreher und führt auch Schweißarbeiten aus und ist schließlich beim Betrieb Erfurter Flechtwaren tätig, der unter anderem Leinen für Fallschirme herstellt.
Ab 1990 wird der Betrieb verkleinert, Entlassungen folgen, die auch Gerhard Rausch treffen. Das Arbeitsamt vermittelt ihn nacheinander in verschiedene ABM, er baut auf dem Flughafen Zäune, beteiligt sich am Abriss des Betonwerkes, wo er Hallen und Eisenbahnschienen mit dem Brenner in ihre Einzelteile zerlegt und nimmt an Ausgrabungen teil. Die eine betrifft ein Grundstück, auf dem einmal eine Kirche gestanden hat, die andere findet in der Innenstadt von Erfurt statt. Hier findet Gerhard Rausch einen Krug aus dem zwölften Jahrhundert, der eine Reihe von Münzen und einen jüdischen Hochzeitsring enthält. Im Jahr 2002 pflanzt er auf dem Petersberg noch eine Eiche, ein Jahr später kann er ohne Abzüge in die Rente gehen.
Mit seiner Frau Silvia ist Gerhard Rausch seit dem 24. Mai 1974 verheiratet, der gemeinsame Sohn Alexander stirbt 1991 durch einen Unfall. Ein 19-jähriger Mann hatte ihn angefahren und trotz Operation konnte sein Leben nicht gerettet werden. Silvia Rausch ist von Beruf Schriftsetzerin, sie gehört zu denen, die in ihrem Betrieb, der Druckerei „Fortschritt“ das Licht ausmachen müssen.
Gerhard Rausch hat seit 1966 sehr viel Geld und vor allem sehr viel Arbeit in das Haus investiert. Wegen seiner zwei „goldenen Hände“ braucht er keine Handwerker, macht alle Reparaturen eigenhändig, ausgenommen die mit Elektronik zu tun haben. Er arbeitet bis heute im Erfurter Schmalfilmklub mit, der nach der Wende gegründet worden ist und gilt dort als Werkstattspezialist. Außerdem ist er ein Fan des US-amerikanischen Popsängers Neil Diamond, hört überhaupt sehr gern Musik, repariert seine Musikanlage selbst und dreht außerdem noch Videofilme.