MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeburg Rech
Eine friedliche Welt als höchstes Gut schätzen gelernt
Rentnerin
Quedlinburger Str. 70
12627 Berlin
Die Rentnerin Ingeburg Rech erlebt als Kind die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die Entbehrungen der Nachkriegszeit und ist gerade auch deshalb ein Mensch, der Ruhe und Ausgeglichenheit liebt und eine friedliche Welt zu schätzen weiß. Sie lebt sehr gern in Hellersdorf, eine wunderschöne grüne und ruhige Oase, was von anderen oft unterschätzt wird. Ingeburg Rech liebt die Traditionen des Weihnachtsfestes im Kreise ihrer beiden Kinder und der drei Enkel. sie ist evangelisch getauft und konfirmiert, wird später Mitglied der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ), singt im Chor und ist Mitglied einer Volkstanzgruppe. Die Weltfestspiele von 1951 in Berlin gehören zu ihren Jugenderinnerungen, sie ist lange überzeugt davon, dass in der DDR die bessere Gesellschaft aufgebaut wird.
Die Tochter einer Verkäuferin und eines Handelsvertreters für Delikatessen wächst mit zwei Geschwistern auf und erlernt im Volkseigenen Betrieb (VEB) Bau-Union Bautzen den Beruf einer Industriekauffrau. Nach der Lehre findet sie eine Anstellung bei der Deutschen Notenbank in Bautzen. Sie erlebt noch, wie die Journale mit der Hand ausgefüllt werden. Nach der Geburt ihres ersten Kindes bleibt Ingeburg Rech erst einmal zu Hause und arbeitet ab 1971 13 Jahre bei der Baustoffversorgung als Wirtschaftskontrolleur. Sie kontrolliert die Buchhaltung und hat zum jeweiligen Jahresabschluss die Bilanzen und zum Monatsende die Berichte zu erstellen.
Durch die Arbeit ihres Mannes Johannes muss Ingeburg Rech mehrfach umziehen, kann aber schon zu DDR-Zeiten fremde Länder kennenlernen. Sie folgt ihrem Mann, der bei der Botschaft der DDR in Bagdad angestellt ist und arbeitet in der dortigen Verwaltung, wo sie für die die Verwaltung des Lagers und andere organisatorische Fragen verantwortlich ist. Vorher absolviert sie eine intensive Einarbeitungszeit beim Außenministerium und einen Englischkurs. Bei verschiedenen Ausflügen lernt sie das Land kennen. Der plötzliche Tod ihres Mannes ist ein tiefer Einschnitt in ihrem Leben, sie begleitet dessen sterbliche Überreste im Zinksarg in die Heimat zurück. Später beginnt sie im Wohnungsamt von Berlin-Hellersdorf zu arbeiten und muss zunächst den Umgang mit dem Publikum erlernen. Während der „Wendezeit“ lernt sie die Angst um den Arbeitsplatz kennen, hat jedoch das Glück, übernommen zu werden und ist bis zur Jahrtausendwende im Bezirksamt tätig. Wieder drückt Ingeburg Rech die Schulbank, um sich in das Rechtssystem der Bundesrepublik einzuarbeiten. Sie bearbeitet die Anträge von Häuslebauern und stellt Wohnberechtigungsscheine (WBS) aus.
Heute verbringt Ingeburg Rech ihre Zeit gern bei Handarbeiten oder beim Lesen von Krimis und Reiseberichten. Sie hat selbst viele Reisen gemacht, die sie von Norwegen bis in die Toskana führten. Ingeburg Rech will noch lange gesund bleiben und einmal ganz plötzlich von dieser Welt gehen.