MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helma Radke

„Man muss die kleinen Dinge wahrnehmen und schätzen.“ (Helma Radke)

Helma Radke

Querstr. 6
04849 Bad Düben
Fon: 034243 / 23643

Das Mädchen Helma wurde 1953 in Bad Düben als Tochter von Umsiedlern aus dem Sudetenland geboren. Sie erinnert sich noch gut an die Erzählungen der Eltern über die Heimat, in der sie eine Gastwirtschaft mit Fleischerei in Generations-Folge betrieben hatten. Sie hegten lange die Hoffnung nachhause zurückkehren zu können. Der Vater kam spät aus dem Krieg zurück, arbeitete nun in einer Konsum-Fleischerei bis zur Rente. Die Heimat und die eigene Fleischerei sah er nie wieder. Helma Radke und ihre Schwester kamen also nie in die Situation die Familientradition weiterführen zu sollen. Die Schwester wurde Hortnerin. Helma Radke lernte nach Abschluss der 10. Klasse den Beruf Zeltnerin / Lederwarenstepperin. Im Anschluss bewarb sie sich in der Gasstätte „Rotes Haus“ als Bürokraft und wurde angenommen. Theoretisches Rüstzeug erlangte sie durch eine zusätzliche Qualifizierung zum Wirtschaftskaufmann. Bei Notwendigkeit wurde von ihr auch der Einsatz im gastronomischen Bereich gefordert. 1978 heiratete sie ihren Mann Hans-Jürgen (Klempner, Installateur, verstorben 2010) und beendete im gleichen Jahr ihre Tätigkeit im Roten Haus. Durch die Eheschließung nach Roitzsch umgezogen hatten die jungen Eheleute große Pläne: Ein Haus sollte gebaut werden, Hans-Jürgen Radke wollte sich selbstständig machen. Helma Radke nahm die Arbeit im Bergbau auf und betreute innerhalb der Wohn- und Arbeiterversorgung die verschiedenen Wohnheime, in der die Montagearbeiter Unterkunft hatten. 1981 wurde Tochter Steffi geboren. Nachdem die Pläne in Roitzsch sich nicht erfüllen ließen und zudem die Eltern von Helma Radke kränkelten, zog die junge Familie nach Bad Düben in Helmas Elternhaus. Die Arbeitsstelle wechselte sie jedoch nicht und erlebte so während der politischen Wende in der DDR die Umstrukturierungen im Betrieb. Verschiedene Übernahmen „überstand“ sie, arbeitete weiter in der Wohnungsgesellschaft der Bergbauwohnungen (Sozialökonomie) bis 2005. Eine erneute Weiterbildung zum Fachwirt für Wohnungswirtschaft befähigte sie den neuen Anforderungen bei ihrer Arbeit in der Wohnungswirtschaft und später bei der Gesellschaft Treuhandliegenschaften gerecht zu werden. Sie hatte große Freude an der Arbeit, schätzte die vielseitige Tätigkeit. Doch auch an ihren ersten Einsatz in der Arbeiterversorgung erinnert sie sich noch immer gut. Es war Januar, eiskalt und aus einem Bauwagen heraus wurden die Arbeiter mit einem Imbiss versorgt. „Es war fast genau wie heute“ sagt sie während sie aus ihrem Leben erzählt – an einem ebenso kalten Wintertag. Krankheit und folgende Berufsunfähigkeit führten im Jahr 2008 in den Ruhestand. Mit Durchsetzungskraft und Ausdauer hatte sie ihr Leben gemeistert, nun sollte sie die Hände in den Schoß legen. Einfach war das nicht. Doch ihr Mann stand an ihrer Seite. „Wir haben alles zusammen gemacht“ erzählt sie, und von ihren Ausflügen und Reisen. Beide die Natur liebend, wählten sie idyllische Ziele und genossen Ruhe und Besinnlichkeit. Ihren Mann von einem auf den anderen Tag plötzlich zu verlieren war deshalb besonders hart. Der Garten ist heute die Lieblingsbeschäftigung von Helma Radke. Reisen unternimmt sie nun mit ihrer Schwester. Auch andere freie Zeit teilt sie mit ihr und den beiden Enkeln. Helma Radke pflegt die Traditionen die ihre Eltern aus dem Sudetenland mitgebracht haben. Sie hat große Achtung vor der Leistung der früheren Umsiedler und ihrer Mutter Albine. Die verließ mit ihrem Großvater und der Schwester mit einem Koffer und nur dem Notwendigsten darin die Heimat notgedrungen. Sie schaffte es die Familie wieder zusammenzuführen und zudem einen Neuanfang unter diesen widrigen Umständen. Eine starke Frau, die immer auch ihre Töchter unterstützte wo es nur ging.
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