MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Elisabeth und Günter Rahn
Zwei Leben im Auf und Ab der Ereignisse
Heidestr. 56
06842 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 8825946
Im Jahr 2017 blickt Günter Rahn auf 90 Lebensjahre zurück, die er im Wandel der Zeiten miterlebt hat: Er erinnert sich als Junge vom Militärwesen begeistert gewesen zu sein und dass er noch im 8. Schuljahr auf eine Spezialschule mit nationalsozialistischer Ausrichtung kam. Stolz war er im Anschluss auf einem Segelschulschiff die seemännische Ausbildung machen zu können. Aber auch daran, mit jungen 19 Jahren nach Kriegsende auf einem Minenräumboot eingesetzt zu werden und dabei fast sein Leben verloren zu haben. Er stand am Ruder als das Boot auf eine Mine fuhr, wachte im Lazarett wieder auf – als einer von drei Überlebenden der gesamten Mannschaft und mit den Gedanken nur noch nach Hause zu wollen. Am 22.01.1946 kam er nachts dort an, völlig erschöpft fiel er in ein Bett. Für sein Aufwachen sorgte der Polizeichef, zwei Offiziere und weitere vier Bewaffnete, die ihn in die russische Kommandantur brachten. Es folgten 7 ½ Monate mit weiteren ca. 30 Personen im Keller der Kommandantur mit Anschuldigungen, Demütigungen und der Erkenntnis, dass andere Menschen mit schneller Anpassung und Bekenntnissen weniger Leid erfuhren. Später auf Arbeitssuche traf er im Arbeitsamt einen Bekannten der früher bei der Waffen-SS diente und nun für seinen Selbstschutz dafür sorgte, dass Günter Rahn zur Zwangsarbeit im Erzbergwerk Aue vergattert wurde. Unter Tage Hunte schiebend verrichtete er eine schwere körperliche Arbeit während dieser Bekannte indessen im amerikanischen Besatzungsgebiet neue Karriere machte. Als Schädlingsbekämpfer, Kraftfahrer für einen Bau-Betrieb, Brunnenbauer, Brigadier arbeitete er, bevor aus dem ehemaligen Maat der Unterleutnant und Ausbilder der neuen Seestreitkräfte wurde. Die Scheidung seiner ersten Ehe (drei Söhne), eine zweite, geschiedene Beziehung (einen Sohn) und gesundheitliche Schwerbeschädigung brachten Wohnort- und berufliche Veränderung mit sich. Letzte Arbeitsjahre hatte er im Gasgerätewerk Dessau. 1990 wurde aus dem Invalidenrentner (1966) ein Altersrentner. Seine immer bleibende Liebe zur Marine ließ ihn nach der Wende den Traditionsverein Marinekameradschaft Dessau 1894 / 1991 e. V. ins Leben rufen und seitdem aktiv begleiten.
Elisabeth Rahn, geb. 1935, erzählt von einer Schulzeit mit über 40 Schülern in der Klasse, der Empfehlung der Lehrerin die Oberschule zu besuchen und dem Wunsch der Eltern – wie auf dem Dorf üblich – sofort einen Beruf zu erlernen. Das tat sie dann auch, wurde im Konstruktions- und Ingenieurbüro Leuna zur Technischen Zeichnerin ausgebildet und blieb im Betrieb tätig. Jung, in einem eigenen Zimmer in der Messestadt Leipzig wohnend, ihren ersten Mann im Betrieb kennenlernend schien das Leben grenzenlos. Die Ehe endete nach 25 Jahren, die gemeinsamen Kinder Ralf (1958, Ing.), Henry (1959, Lehrer, promoviert) und Evelyn (1960, Zahntechnikerin) zeugen von den guten Jahren dabei und sorgten zudem für fünf Enkel und vier Urenkelkinder. Ihren Mann Günter lernte sie 1980 während einer Kur kennen, lebte mit ihm schon seit 1982 zusammen als beide 1990 geheiratet haben. Ihr Berufsleben richtete Elisabeth Rahn stets nach den familiären Anforderungen mit den drei Kindern aus. Die Wende erlebte sie beim VEB Ratio Dessau, sah Kurzarbeit, Übernahme durch einen westdeutschen Investor und die Ausnutzung von Möglichkeiten zur Gewinnoptimierung zu Lasten der Stabilität der Firma bis sie 1995 in die Rente ging. Mit Malen verbringt sie heute große Teile ihrer Freizeit. „Ich könnte die ganze Wohnung damit tapezieren“, sagt sie und rätselt und liest zudem auch viel. Die Eheleute sind sich sehr zugetan und wünschen sich noch viele, möglichst gesunde Jahre zusammen verbringen zu können.