MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Günter und Gunda Radszun

Gemeinsam durch die Höhen und Tiefen des Lebens gegangen

Günter und Gunda Radszun

Bäcker
Fachverkäuferin
Am Bach 5

04668 Grimma OT Cannewitz

Günter und Gunda Radszun sind seit 1960 verheiratet. Sie haben zwei Söhne, von denen einer bereits verstorben ist. Der Sohn Maiko wird 1964 geboren und entscheidet sich für die Offizierslaufbahn. Als er die Offiziershochschule in Dresden beendet hat, macht ihm die Wende einen Strich durch seine beruflichen Pläne. Außerdem wächst noch Steffen, der Sohn der verstorbenen Schwester bei den Radszuns auf. Der Schwager vergiftet sich kurz nach dem Tod seiner Frau. Zur Familie gehören noch vier Enkel, zwei Mädel und zwei Jungen. Günter und Gunda Radszun sind stolz darauf, dass trotz der vielen Schicksalsschläge aus den Kindern tüchtige Menschen geworden sind, vom Staat haben sie damals nicht viel Unterstützung bekommen. Günter Radszun wird am 31. März 1934 im ostpreußischen Tilsit geboren. Als er neun Jahre alt ist, muss die Familie ihre Heimat verlassen. Die Mutter ist aufgrund ihrer Sehschwäche Invalidin, der Vater, ein Maler, stirbt noch vor Kriegsende. In Cannewitz finden sie eine neue Heimat. Günter Radszun schließt hier die Schule mit der achten Klasse ab und absolviert anschließend eine zweieinhalbjährige Bäckerlehre. Ab dem 20. Januar 1954 fängt er in einer kleinen Privatbrauerei mit 46 Beschäftigten an und lernt in der ersten Zeit sämtliche Abteilungen, einschließlich des eigenen Brauereibrunnens, kennen. Nach 39 Jahren geht Günter Radszun in den Vorruhestand. Er hätte gern weitergearbeitet und denkt bis heute an das gute Betriebsklima und den Zusammenhalt in der Belegschaft zurück. Gunda Radszun kommt am 3. Juli 1941 in Borsdorf zur Welt. Der Vater arbeitet als Monteur und wird als politischer Aktivist 1934 im KZ Colditz schwer misshandelt. In der Folge bleibt er ein stets kränklicher Mensch. Trotzdem lässt er es seinen Kindern an nichts fehlen. Als leidenschaftlicher Raucher tauscht er seine Karten ein, um den Kindern auch mal ein Spielzeug zu kaufen. Gunda Radszun wird durch ihn sehr früh politisiert und gilt bald als das „Sozialistenkind“. Der Vater ist stets geradlinig und seiner Sache treu ergeben, bis heute ist er für sie ein Vorbild. Sie will ursprünglich Laborantin werden und entscheidet sich schließlich für den Beruf einer Fachverkäuferin. Nach dem Abschluss der zweijährigen Lehrzeit ist Gunda Radszun in den verschiedensten Geschäften tätig und arbeitet ab 1978 in einer großen Kaufhalle direkt im Ort. Die Kunden kommen aus der ganzen Region, bald gelten die hier Beschäftigten als „Umsatzmillionäre“, worauf Gunda Radszun bis heute sehr stolz ist. Bis 1996 ist sie in ihrem Beruf tätig, dann übernimmt ein neuer Eigentümer die Einrichtung. In der letzten Zeit ist sie in der riesigen Kaufhalle oft allein, dann muss sie die Arbeitslosigkeit kennenlernen, die sie als eine bittere Zeit der Erniedrigung erlebt. Trotzdem hat sie sich ihren Lebensmut nicht nehmen lassen und ist glücklich, noch bei guter Gesundheit zu sein.
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