MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert und Annemarie Raedel
Wer strebt und schafft, bleibt jung an Kraft (Deutsches Sprichwort)
Clara-Zetkin-Str. 5
06862 Roßlau
Fon: 034901 / 82939
Die Kindheit des 1937 in Berlin geborenen Herbert Raedel steht sicher stellvertretend für viel Kinder, die in der Kriegszeit groß wurden. Er war eins von fünf Kindern. Der Vater war im Krieg und er und seine Geschwister verschickt, um den Krieghandlungen zu entgehen. So wuchs er vorwiegend bei fremden Leuten auf. Nach dem Krieg und der Umsiedlung mit der Mutter und den vier Geschwistern nach Thüringen konnte er zwar bei den Großeltern wohnen, doch in der Wirtschaft des Großvaters gab es immer etwas, was man den Jungen machen lassen konnte, als eine billigte Arbeitskraft. Gerne wäre er nach Abschluss der 8. Klasse Bürokaufmann geworden. Doch nicht nur, dass die Lehrstellen knapp waren, diese speziellen waren auch den Mädchen vorbehalten. Letztendlich lernte er den Beruf des Werkzeugmachers im Funkwerk Kölleda (Abschluss 1954). Mit einem Freund und der Hoffnung auf besseren Verdienst, ging er zum Waggonbau Dessau und arbeitete anfangs für ca. 1,50 Mark Stundenlohn. Von April 1955–Oktober 1956 war er bei der KVP in Leipzig. Trotzdem eine gute Entscheidung, denn er lernte seine Frau Annemarie in Dessau kennen, heiratete sie 1957. Die Kinder Jürgen (†), Uwe, Wolfgang und Kathrin belebten das Familienleben und haben indessen auch für vier Enkel und einen Urenkel gesorgt. Beruflich ging es für Herbert Raedel im Waggonbau, kurzzeitig auch im Institut für Zement weiter, bevor er 1969 eine sich plötzlich bietende Chance nutzte, sich selbstständig zu machen. In Rosslau war eine private Schlosserei frei geworden, weil der Inhaber verstorben war. Herbert Raedel übernahm Ende Mai 1969 den Betrieb, einschließlich der dort tätigen Mitarbeiter und erinnert sich noch gut an die Häme, der er begegnete: „Nach einem halben Jahr ist der doch sowieso wieder pleite...“ Geworden sind daraus 31 Jahre. Die Ende der 50-er Jahre durchgeführten Studien im Bauhaus und an der Universität Magdeburg zum Volkseigenen Meister und zum Ingenieur für allgemeinen Maschinenbau, musste er noch durch die Qualifikation zum Handwerksmeister ergänzen – die Anforderungen waren damals so, erzählt er. Den Altmeister-Brief erhielt er später auf Grund der entsprechenden Jahre in der Tätigkeit verliehen. Das erste „Firmenfahrzeug“ war ein gummibereifter Handwagen, der mit den nötigen Utensilien beladen zum Kunden gefahren wurde, um dort Arbeiten auszuführen zu können.
Herbert Raedel fasst die Anforderungen der damaligen Zeit weiter zusammen: „Ich habe acht Stunden gearbeitet, nebenher Schule gemacht und zusätzlich 1600 Aufbaustunden geleistet, um eine Wohnung zu erhalten. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen....“ Alles entwickelte sich stetig, bis zu sieben Arbeitnehmer waren beschäftigt, die Auftragslage war sehr gut. Dann kam die Wende und statt viel Aufträge bei Materialmangel (DDR) gab es nun erstmal Materialflut und Auftragmangel (BRD). Herbert Raedel gelang es jedoch, in der Marktwirtschaft zu bestehen. Im Jahr 2000 übergab er den Betrieb an seinen Sohn, der ihn bis zum Jahr 2012 weiterführte. 12 Jahre hat Herbert Raeder anfangs den Sohn in der Firma noch unterstützt. Erst mit 75 Jahren zog er sich in den vollständigen Ruhestand zurück. Nun begann die Zeit, wo Freundschaften gepflegt werden konnten, mit Frau Annemarie gemeinsames unternommen wurde. Die beiden blicken auf ein arbeitsreiches Leben zurück und möchten heute „die Feste feiern, wie sie kommen“, vor allem aber das der Diamantenen Hochzeit im Jahr 2017.