MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. Ursula Ramlow
Unter ganz besonderen Umständen ganz jung in den Wunschberuf
Diplom-Pädagogin
Fachlehrer für deutsche Sprache und Literatur Am Körgraben 2k 14712 Rathenow Fon: 03385-513021
Die Schrecken des Krieges erlebte Ursula Ramelow als Jugendliche hautnah. 1928 geboren und in Berlin-Mitte und Werder (Havel) aufgewachsen, musste sie miterleben, wie die Bomben ihre Stadt zerstörten und die „Rote Armee“ Berlin einschnürte. Mit einer der letzten S-Bahnen konnte sie den Kriegskessel verlassen und landete bei ihren Großeltern in Werder bei Potsdam. Ihren ersten Broterwerb hatte sie als Arbeiterin in einer Holzfirma. Dann las sie einen Aufruf zur Ausbildung zum Junglehrer. Kaum 18 Jahre alt, erhielt Ursula Ramlow die Chance ihres Lebens. Schon lange träumte sie davon, Lehrerin oder Auslandskorrespondentin zu werden. Die Kriegsumstände ließen diesen Wunsch vorerst in weite Ferne rücken. 1944 konnte sie gerade noch die mittlere Reife absolvieren. Dann folgte das sogenannte Pflichtjahr als Haushaltshilfe. Nun meldete sich Ursula auf Grund des Aufrufs, wurde angenommen und in einem dreimonatigen Lehrgang zur sogenannten Schulhelferin ausgebildet. Dann wurde sie ins berühmte kalte Wasser geschmissen. Eine 3. Klasse mit 48 Mädchen – davon viele Flüchtlingskinder – unterrichtete sie an der Schule in Werder in einem Alter, in dem heute angehende Pädagogen noch selbst die Schulbank drücken. Es folgten 5 Jahre Lehrtätigkeit in Glindow. In den 1950er Jahren qualifizierte sie sich die Mutter von drei Kindern durch ein Fernstudium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam zur Fachlehrerin für deutsche Sprache und Literatur und in den 1960er Jahren an der Humboldt-Universität Berlin zum Diplom-Pädagogen. In den 70er Jahren promovierte sie in einer außerplanmäßigen Aspirantur zum Dr. paed. An der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften. Ihre erste und zweite Lehrerprüfung absolvierte sie bereits 1951 bzw. 1953. Ursula Ramlow begnügte sich allerdings nie damit, den Kindern den Lehrstoff zu vermitteln. Sie wurde zur anerkannten Organisatorin für außerunterrichtlichter Tätigkeit. So wurde der Schulrat auf sie aufmerksam und machte sie zur Direktorin der Zentralschule in Göhlsdorf im Landkreis Potsdam. Sie war gerade 23 Jahre alt. „Durch die Unstände nach dem Krieg bin ich ganz schnell erwachsen geworden und die Zeit in Glindow war für meine Entwicklung eine ganz wichtige, während ich als Schuldirektorin mit einem jungen Kollektiv viel Freude an der Arbeit hatte“, erinnert sich Ursula Ramlow. 1963 wurde sie als erste Frau im Bezirk Potsdam zur Schulrätin berufen. 1976 „entführte“ sie ihr Mann nach Rathenow. Hier wurde sie Direktorin des Gymnasiums. Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Befähigung der Abiturienten zum selbstständigen Wissenserwerb in unterschiedlichen Tätigkeiten und in der Förderung ihrer Begabungen. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand wurde sie Mitbegründerin des Bundes der Ruheständler und Hinterbliebenen im Beamtenbund Deutschland und Vorstandsmitglied. Vorher leitete sie 10 Jahre mit großem Erfolg den „Club der Intelligenz“ in Rathenow.