MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Rudolf und Hanneloe Päßler

„Bei Geld hört die neue Demokratie auf“ (Rudolf Päßler)

Rudolf und Hanneloe Päßler

Oberbreite 280
06847 Dessau
Fon: 0340 / 513363

Zwei Herzen schlugen in der Brust des jungen Rudolf Päßler (geb. 1941), als er die Schule mit der 8. Klasse abschloss und eine Lehrstelle suchte. Wie der Onkel gleichen Namens Dampflokomotiven fahren, wäre schon traumhaft gewesen, doch mit unregelmäßigen Arbeitszeiten verbunden und dem Weggang aus dem Elternhaus. Da zog der Vorschlag des Vaters, bei dem einheimischen Glasermeister Werner Fenster- und Türenbau zu lernen, doch mehr. Es wurde eine lebenslange Liebe zum Beruf daraus, wie man heute noch an der Ausstattung des eigenen Wohnraums feststellen kann. Drei Jahren Lehrzeit folgten zwei Jahre Gesellenzeit und der Wunsch auf Weiterentwicklung reifte. Der Betrieb Bauunion Zwickau, in dem er indessen tätig geworden war, delegierte ihn zum Direktstudium an die Ingenieurschule für Bauwesen Glauchau, die er nach drei Jahren als Ingenieur für Bauwesen erfolgreich abschloss. Die für das Studium nötige Mittlere Reife hatte er zuvor nachgeholt. 1966 lernte er seine Frau Hannelore kennen, heiratete sie 1968, nachdem er von seiner Einberufung zum Grundwehrdienst zurückkehrte. Die ersten beruflichen Praxiserfahrungen hatte er in der Planungsabteilung eines kleinen Baubetriebs in Zwickau gesammelt. Da seine Frau aus Dessau stammte, wechselte er in den VEB IPRO Dessau, wurde auch hier in der Planung tätig und nahm ein weiteres Studium zum Dipl.-Ing. auf (Fernstudium drei Jahre TU Leipzig). Seine Bereitschaftserklärung als Bauleiter für die Projekte des VEB IPRO auch im Ausland tätig zu sein, führten 1980 zur Urlaubsunterbrechung an der Ostsee und erster Reise nach Damaskus. Für den dreijährigen Einsatz in Äthiopien absolvierte er eine viermonatige Englisch-Sprachausbildung, die ihm half Arbeit und Leben in diesem Land zu bewältigen und den Bau eines Zementwerkes (Hochplateau auf 2440 m über NN) als Senior-Ingenieur Bau zu begleiten. Keine einfache Zeit für die Familie, denn Rudolf Päßler konnte diese in der gesamten Zeit nur dreimal in der DDR besuchen, während Hannelore Päßler (geb. 1944, Krankenschwester) und Sohn Jörg (heute Zimmermann) zweimal nach Äthiopien reisen durften. Zurückgekehrt, wirkte er bis 1989 als Produktionsbereichsleiter Auslandsbaustellen, wurde dann als Auslandsdienstreisender – mit seiner Frau – nach Damaskus beordert, wo er für elf Baustellen (Weizenmühlen) in Syrien bis Mai 1990 Verantwortung trug. Fern der Heimat erfuhren die Eheleute hier von der Maueröffnung. Die Veränderungen in der DDR führten dazu, dass Rudolf Päßler keine einzige Fertigstellung der angefangenen Bauvorhaben erlebte. Als die Päßlers nach einem Jahr für einen Urlaub nach Hause flogen, glaubten sie noch an die Rückkehr nach Syrien und Weiterführung der Projekte. Doch diese Rückkehr erfolgte nur noch für den Dipl.-Ing. zur Auflösung des dortigen Büros. „Und was machen wir nun mit Dir?“ hieß es im Betrieb danach und er wurde vorübergehend nach Frankfurt delegiert, zur Erarbeitung von Angeboten für Wohnungen und Infrastruktur zur Rückführung der sowjetischen Soldaten aus der DDR in verschiedene russische Städte. Später wurde er nach Dessau zurückgerufen, um innerhalb des Rekonstruktionsauftrages der Hauptpost Dessau mitwirken zu dürfen. Die Auflösung der Firma IPPO voraussehend, gründete Rudolf Päßler mit einem Partner 1992 das Ingenieurbüro für Bauwesen Päßler & Siewert, arbeitete so noch elf Jahre selbstständig, bevor er in die Rente ging. Rudolf Päßler blickt auf eine gewaltige Lebensleistung zurück, wurde in der DDR zweimal mit dem Banner der Arbeit ausgezeichnet, erhielt andere Auszeichnungen und Ehrungen. Er war nie in der Partei und hatte trotzdem die Möglichkeiten sich zu entwickeln und als Reise- bzw. Auslandskader in fremden Ländern zu arbeiten. Dass heute bei Geld die gepriesene Demokratie aufhört, sieht er an der immer größer werdenden Schere zwischen arm und reich und auch an seiner eigenen Rente.
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