MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Bernd Pöhland
„Wir sind durchgekommen“
Ingenieur-Ökonom
08523 Plauen
Der Ingenieur-Ökonom Bernd Pöhland wächst in Plauen auf. Zunächst bei den Großeltern, da die Eltern inmitten der Trümmerlandschaft des Kriegsendes keine eigene Wohnung finden. Die Entscheidung für seinen Beruf wird wesentlich durch den Vater beeinflusst. Dieser arbeitet zunächst als Mechaniker unter Tage und später als Lehrmeister bei der WEMA in Plauen. Die Mutter ist Bürokauffrau.
Während der Schulzeit findet der Unterrichtstag in der Produktion (UTP) in einer neu erbauten Halle des Werkzeugmaschinenbetriebes WEMA statt. Bernd Pöhland ist begeistert von der Technik und den Maschinen, die er hier kennenlernt. Als ein glücklicher Umstand erweist sich, dass sein Vater im selben Betrieb als Lehrmeiste tätig ist und so dem Sohn hier eine Lehrstelle besorgen kann.
So beginnt der junge Mann nach der zehnten Klasse eine Ausbildung zum Maschinenschlosser mit Abitur. Die Lehrer und Ausbilder drängen die jungen Leute, sich nach der Lehre für ein Studium zu entscheiden. Bernd Pöhland träumt zunächst von einer Karriere als Radsportler und Sportstudent, doch dies erweist sich auf Grund der einseitigen sportlichen Qualifikation als unrealistisch.
Seinen Wehrdienst leistet Bernd Pöhland als Grenzsoldat in Berlin ab. In dieser Zeit wird seine Tochter geboren. Seine mittlerweile alleinerziehende Mutter war zuerst wenig begeistert über diese schnelle, zeitige Familiengründung, die auch ein mögliches Studium erst einmal ausschloss. Aber nach dem Wehrdienst bot ihm sein Betrieb, in dem er mittlerweile als Maschinenschlosser arbeitete, die Delegierung zum Studium an der TU Dresden an. Dieses schließt er als Ingenieur-Ökonom ab.
Nach dem Studium bereitet er bei der WEMA Plauen die Montage von dort hergestellten Sondermaschinen und Taktstraßen vor, die in der DDR und auch in den damaligen Ostblockländern Polen, Ungarn, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei aufgestellt werden. Danach erfolgen weitere leitende Tätigkeiten im Produktionsbereich des Betriebes.
Nach 1990 muss der überzeugte „Sozi“ einige Anfeindungen über sich ergehen lassen. Er geht als Monteur in die Fertigung zurück, nimmt an Montagen in Österreich, Brasilien und Mexiko teil und sieht auch hier ähnliche Maschinensystem wie sie in Plauen gefertigt wurden. Vor allem in den Automobilfirmen spielte sich eine Entwicklung ab, die man später als Outsourcing bezeichnet und die in den Autofirmen für Strukturveränderungen sorgten und zu dem Wegfall traditioneller Arbeitsplätze führten. Ähnliches spielte sich auch in seinem Betrieb ab. Viele Mitarbeiter werden entlassen. Bernd Pöhland kann für sich diese Klippen noch umschiffen und geht abgesichert in die Rente. „Wir sind durchgekommen“, fasst er seine Erlebnisse zusammen.
Neben dem Radsport ist Bernd Pöhland in jungen Jahren zur Winterzeit viel Schlittschuh gefahren. Diese Leidenschaft kann er auch seiner Tochter vermitteln. Die schafft es in dieser Sportart bis in die Nationalmannschaft im Eisschnelllauf. Wie viele junge Leute in dieser Zeit erwirbt er mit seiner Frau Gudrun einen Kleingarten. Das wird ebenfalls zu einem Hobby. Als Vorsitzender eines Kleingartenvereins spürt er dann immer wieder, wie sich die gesellschaftlichen Probleme auf solche Vereine auswirken. Selbst gut ausgebildete junge Leute müssen um ihren Unterhalt und ihre Existenz kämpfen. Sie haben keine Zeit für einen Kleingarten, geschweige denn für ein Ehrenamt. Außerdem ist Bernd Pöhland gern mit seinen Kindern und Enkelkindern zusammen, die sich zu seiner Freude sehr gut entwickelt haben.