MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dieter Reinhard Prochnow
Sich den Herausforderungen des Lebens stellen
Nickel-Hoffmann-Str. 23
06110 Halle
Fon: 0345 / 6853795
Wenn Dieter Reinhard Prochnow auf sein Leben zurückblickt, so ist er vor allem stolz darauf, seine gesundheitlichen Probleme soweit bewältigt zu haben, dass er heute wieder ohne einen gerichtlich bestellten Betreuer auskommt. Der gelernte Elektroinstallateur arbeitet nach dem Abschluss der Lehre noch zwei Monate bei seinem Lehrherrn und tritt am 2. Mai 1968 den Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) an. Es ist die Zeit des „Prager Frühlings“ und seiner Niederschlagung durch die Panzer des Warschauer Paktes. Für Dieter Prochnow und seine Kameraden gilt vom 15. August bis zum 15. September volle Gefechtsbereitschaft mit Dienst rund um die Uhr. Er verlängert seinen Dienst auf drei Jahre und führt als Unteroffizier später einen Funkmesstrupp. seine fachliche Leistungen werden immer als sehr gut beurteilt. Ab 1971 arbeitet Dieter Prochnow als Landelektriker im Überseehafen Rostock und studiert von 1971–1975 an der Ingenieurhochschule in Wismar Sozialistische Betriebswirtschaft für Maschinenbau. Von 1972–1979 ist er verheiratet, das Paar adoptiert einen Jungen, der wegen eines Geschwürs in der Luftröhre große gesundheitliche Probleme hat, die sich auch auf das Familienleben auswirken. Nach der Scheidung darf der Adoptivvater keinen Kontakt mehr zu ihm halten. Später lebt Dieter Prochnow mit einer Lebensgefährtin zusammen, die drei Töchter hat, mit denen er sich sehr gut versteht, die er liebevoll erzieht und bildet. Annette, die älteste der Mädchen wechselte ihren ersten Beruf in der Kraftfahrzeuginstandhaltung durch erfolgreiche Umschulung zur Physiotherapeutin. Die eineiigen Zwillinge Jenny und Diana arbeiten heute als Kinderkrankenschwestern. Dieter Prochnow denkt gerne an die Zeit mit den drei Mädchen, sein Engagement um ihre Entwicklung und die gute Beziehung zu ihnen zurück und bedauert, dass die Trennung von deren Mutter auch Distanz zu ihnen zur Folge hat. 1985 wird Sohn Jonas als gemeinsames Kind mit einer Bauingenieurin geboren. Ein „Überflieger“, der sowohl Abitur als auch die Informatik-Ausbildung mit der Note „sehr gut“ abschließt. Dieter Prochnow ist unzufrieden, widerstrebend und entschlossen. Nach dem Versuch und Scheitern eines bewaffneten Grenzdurchbruchs erkennt man ihm sein Hochschulzertifikat ab, weist ihn mehrere Monate in eine Psychiatrie ein. Er arbeitet später 20 Jahre als Elektriker und Kranelektriker beim Kombinat Metallaufbereitung, dann in anderen Betrieben als Leiter des Fuhrparks und als Elektriker. Ab 1990 ist er sieben Jahre beim Elektromeister Huber in Halle tätig und geht später noch mit 55 Jahren auf Montage, was für ihn mit der Zeit eine große psychische und physische Belastung darstellt. Dieter Prochnow ist in diesen Jahren für drei Zeitarbeitsfirmen tätig, oft erfährt er erst am Sonntagabend, wo er am nächsten Morgen antreten muss. Nach fünf Jahren ist Dieter Prochnow völlig ausgebrannt. Er bezieht später eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit und ist vorher drei Jahre arbeitslos. Als Rentner findet er eine Beschäftigung in den Halleschen Behindertenwerkstätten. Nach einer Ausbildung bedruckt er mit anderen Beschäftigten Kleidung. Heute betätigt sich Dieter Prochnow als Helfer beim Basket- und beim Handball und ist zweimal in der Woche in einer Grundschule als Nachhilfelehrer tätig, wo er Kindern hilft und mit denen er sich sehr gut versteht. Die Heimatstadt Halle ist für Dieter Prochnow im Gegensatz zu DDR-Zeiten heute ein "Luftkurort" (er nennt ihn so wegen der seiner Meinung nach schlechten Entwicklung der Stadt), in dem er noch lange bei guter Gesundheit leben will.