MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Heinrich und Karin Pracht

Geradlinig und zuverlässig

Heinrich und Karin Pracht

Ingenieur für Walzwerk- und Hüttentechnik
Kauffrau, Sekretärin
Poppitzer Str. 53 b
01589 Riesa

Als Heinrich Pracht 1936 in Deutsch Gabel geboren wurde, gehörte der Ort zur Tschechoslowakei, wurde dann zum Sudetengau und nach Kriegsende 1945 wieder tschechisches Gebiet. Da war die vordem hauptsächlich deutschsprachige Bevölkerung nicht mehr erwünscht. Die Familie Pracht (der Vater war als Elektriker zum Dienst in militärischem Auftrag verpflichtet, die Mutter wirkte als Schneiderin) wurde ausgewiesen. Im Mansfelder Land fanden sie Aufnahme, 1947 stieß auch der Vater wieder zur Familie, der auch eine ältere Schwester zugehörte. In Hettstedt besuchte der junge Heinrich die Schule bis zur 8. Klasse, lernte im Walzwerk Hettstedt Elektriker. Nach drei Jahren konnte er den Berufsabschluss vorlegen, wurde danach bald zum dreijährigen Ingenieurstudium an die Fachschule des Stahlwerks Riesa delegiert. Der fertige Ingenieur für Walzwerk- und Hüttentechnik blieb in Riesa. Der VEB Stahl- und Walzwerk beschäftigte ihn anfangs im Reparatursektor, beförderte ihn zum Abteilungsleiter und Ende der fünfziger Jahre zum Produktionsleiter im Rohrwerk II. Später übernahm er die Verantwortung für den ganzen Bereich Kaltverformung, war für rund dreihundert Leute und deren Einsatz im Drei-Schicht-Betrieb zuständig. Als Ende der achtziger Jahre der Metallurgiesektor zurückgefahren wurde, war auch für Heinrich Pracht der Zeitpunkt gekommen, mit zwischenzeitlicher Ersatzbeschäftigung in den Vorruhestand zu wechseln. 1962 hatte er seine Frau Karin geheiratet. Die Eheschließung bedeutete damals die Aussicht auf eine eigene Wohnung. Aus der ersten Begegnung in der Tanzgaststätte „Stern“ in Riesa wurde eine lebenslange Bindung, die bis heute von Glück und gegenseitiger Liebe geprägt blieb. Karin Pracht, geboren 1939, erlebte ebenfalls das Aussiedlerschicksal. Ihr Heimatort war Langemark im schlesischen Kreis Glogau. Die Kaufmannstochter und ihre beiden älteren Brüder fanden sich, nachdem sie Langemark per Pferd und Wagen Adé gesagt hatten, im Frühjahr 1945 im sächsischen Kreis Döbeln wieder. Im Rittergut Zschaitz kamen sie unter, im zugehörigen Schloss war die Schule. Als es Anfang der fünfziger Jahre für die ganze Familie nach Riesa ging, begann sie eine kaufmännische Lehre im Stahlwerk. Danach arbeitete sie über vierzig Jahre engagiert und zuverlässig als Sekretärin im Werk. Auch ihr wurde ein gelungener Übergang ins Rentnerdasein per Vorruhestandsregelung ermöglicht. 1964 war die Tochter Cordula geboren worden, 1967 folgte Tochter Anke. Beide schenkten der Familie je zwei Enkelsöhne. Im 1967 bezogenen Wohnblock kümmert sich Heinrich Pracht noch heute um die Vorgärten.
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