MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Agrarökonom Hans Preininger
Ein kritischer Geist im Wandel der Zeiten
Erster Nachwendebürgermeister der Stadt Friedland/Mecklenburg i. R.
Verwalterweg 7
17098 Friedland
Fon: 039601 / 20306
Hans Preininger, ein Mann des Jahrgangs 1926, gehört zu den herausragenden Bauernpersönlichkeiten der DDR und zu den Aktivisten der Wende in Mecklenburg. Geboren und aufgewachsen in Hermannschlag/Böhmerwald musste Hans Preininger nach dem Tod seiner Mutter bereits mit zehn Jahren für seine Brüder mitsorgen. Er wurde der Hütebub vom Böhmerwald und verdingte sich bereits in der Schulzeit als Knecht. So erlernte er frühzeitig das bäuerliche Handwerk. 1940 verließ er die zweiklassige Dorfschule und erlernte im Linzer Hermann-Göring-Werk den Beruf des Hochofenbauers. Damit war sein Weg zur Waffen-SS bereits vorprogrammiert, denn alle Lehrlinge des HGW wurden HJ-uniformiert und von SS- Offizieren erzogen. Nach diesen Irrungen und Wirrungen des Krieges fasste Hans Preininger auch unter dem Einfluss von Kommunisten und Antifaschisten den Entschluss, fortan alles dafür zu tun, dass nie wieder ein deutscher Soldat fremden Boden betritt. Im Sinne dieses Schwurs kritisierte er im Herbst 1956 die Haltung der SED zum ungarischen Volksaufstand, und das blieb für den damals im Bezirk Halle weithin bekannten Meisterbauer Hans Preininger nicht ohne Folgen. Der erfolgreiche Vorsitzende der LPG und der VdgB des Kreises Artern wurde aller Ämter enthoben und in den Nordbezirk Neubrandenburg „delegiert“. Das war dem ausgezeichneten Praktiker und inzwischen im Fernstudium diplomierten Agrarökonom nicht ganz unsympathisch, denn mit wirtschaftsschwachen LPG wusste er umzugehen. Das stellte er dann auch als Vorsitzender der LPG in Holldorf und Klockow unter Beweis. Der „dickste Brocken“ wurde ihm aber mit der im Bezirk Neubrandenburg größten und schwächsten LPG Friedland, die er 1963 übertragen bekam, vor die Füße gelegt. Hier betrug die Arbeitseinheit minus 4,20 Mark, und der Schlendrian war allgegenwärtig. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte Preininger diese LPG zum Vorzeigebetrieb und hatte auf dem Weg dahin sich nicht nur Freunde gemacht. Seine Gegner meldeten sich unter Führung der Partei dann auch 1968 zu Wort, als sich Hans Preininger getreu seinem Schwur gegen den Einmarsch von NVA-Truppen in die CSSR öffentlich ausgesprochen hatte. Demagogie und Intoleranz der SED führten dazu, dass dieser exzellente Bauer erneut all seiner Ämter enthoben wurde und als Leiter des Trockenwerkes in Friedland gemessen an seinen Fähigkeiten in die Bedeutungslosigkeit verbannt wurde. Daraus befreite sich dieser aufrechte und geradlinige Mann 1989 als Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP), die sich 1990 mit der SPD vereinigte. Für die SPD kandidierend, erhielt Hans Preininger bei den Kommunalwahlen 1990 den höchsten Stimmenanteil von seinen Friedländern und wurde ihr erster Nachwendebürgermeister. Die SPD hat er auch wegen ihrer Zustimmung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr verlassen. Wahrlich, ein konsequenter Mann, auf den nicht nur seine sieben Kinder voller Stolz und Hochachtung blicken.