MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. rer. nat. Wolfgang Poppitz
Neugierig sein, die Welt erkennen und Dogmen hinterfragen
Chemiker
07745 Jena
Wolfgang Poppitz ist ein Mensch, der sich nicht binden oder gar vereinnahmen lässt. Schon in der Schule und während des Studiums fallen seine Beurteilungen eher negativ aus, da er mit seiner Meinung auch zu politischen Vorgängen nicht hinter dem Berg hält. Doch er versteht es stets durch seine fachlichen Leistungen zu überzeugen.
Bei der Aufnahmeprüfung für die Spezialschule an der TH für Chemie in Leuna-Merseburg gehört er zu den 60 von etwa 300 Bewerbern, die angenommen werden und gleichzeitig mit dem Abitur das erste Jahr des Chemiestudiums absolvieren. Er lernt dort einen Direktor kennen, der ein Parteifunktionär aber kein Chemiker ist und die Schüler einer rigorosen Heimerziehung unterwirft. Wolfgang Poppitz entwickelt eine Technik, die das Radio ausschaltet, wenn die Erzieher das Hören von Westsendern kontrollieren wollen.
Im Jahr 1974 legt er sein Diplom als Chemiker ab. Danach bewirbt er sich für eine Stelle in Rostock, eckt aber am dortigen Institut wegen seiner FDJ-Beurteilung an. Durch die Vermittlung des Betreuers seiner Diplomarbeit erhält Wolfgang Poppitz in Jena an der Friedrich-Schiller-Universität im Wissenschaftsbereich von Prof. E. Uhlig eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Hier betreut er Studenten und beendet 1978 die experimentelle Forschung für seine Doktorarbeit, die er 1980 verteidigt.
Für die Filmfabrik Wolfen arbeitet er ab Ende 1978 in Jena in einem so genannten Problemlabor. Bei seinen Forschungsaufgaben dort geht es häufig auch um die Einsparung von Devisen für die DDR.
1985 wechselt er wieder an die Uni, wo er zunächst einen befristeten Vertrag für zwei Jahre und ab 1987 einen unbefristeten Vertrag erhält.
Gemeinsam mit Kollegen reflektiert Wolfgang Poppitz die sich immer weiter verschärfende Krise in der DDR. Am so genannten „Roten Brett“ veröffentlicht er mit Gleichgesinnten Artikel zur Lage im Land, die immer aufmüpfiger werden und Aufsehen erregen. Ab 1989 engagiert er sich als Vorsitzender des Rates der wissenschaftlichen Mitarbeiter und danach einige Jahre im Fakultätsrat. Er merkt aber schnell, dass er vor allem Wissenschaftler und kein „Politiker“ ist.
Heute ist Wolfgang Poppitz für den Bereich Massenspektrometrie des Institutes für Anorganische und Analytische Chemie der FSU Jena verantwortlich. Er sieht sich als Chemiker mit der Spezialisierung Massenspektrometrie und hat sich dafür seit 1991 viel Spezialwissen angeeignet. Seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Physik, der Elektro- und Computertechnik ermöglichen es ihm, seine komplexe Analysetechnik selbst zu warten und zu reparieren.
Seit 1978 ist Wolfgang Poppitz mit seiner Frau Elke, ebenfalls Chemikerin, verheiratet. Der Sohn ist Informatiker in Saarbrücken.
,,Ich bin Naturwissenschaftler und respektiere keine Denkverbote, weder religiöse noch politisch-ideologische", beschreibt er seine Lebensmaxime.