MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Hermann Polster

Lebenssplitter eines Korbmachers

Hermann Polster
Korbmachermeister

09212 Limbach-Oberfrohna/OT Bräunsdorf

Heute genießt der fröhliche Pensionär die wunderbaren Zeiten, die sich nach arbeitsreichem Leben aufgetan haben, nutzt freie Stunden in Natur und Garten, gehört nach 60-jähriger Zugehörigkeit bei der Feuerwehr der Ehrenabteilung an und lässt als aktives Mitglied des gemischten Chores seine Stimme erschallen. Geboren am 26.03.1933 im jetzigen Wohnhaus in Bräunsdorf, fielen Unterrichtsstunden aufgrund der Umstände häufig aus. Vater war im Krieg, die Kinder mussten hart zupacken und wurden durch die Lektionen, die das Leben aufgibt, ausgebildet. Nach einjährigem Landdienst in Chemnitz-Rottluf widmete er sich bei der Firma Bernhard Rauschelbach in Chemnitz seiner Ausbildung zum Korbmacher und geriet mit seinem Lehrausbilder Karl Nestler an den besten, den man sich denken kann. Dieser arbeitete vorher an der Blindenschule und erzählte viel vom sensiblen Umgang mit sehgeschädigten Menschen. 1951 legte der junge Hermann die Gesellenprüfung ab und wechselte zu weiterem Wissenserwerb ein Jahr später nach Neustadt/Orla. 1955 hielt er das Meisterzeugnis in den Händen, ging zurück in seinen Geburtsort und machte sich am 1. Juni im Elternhaus selbstständig. Die Umstände gestalteten sich schwierig – Weiden wurden im Keller eingeweicht und als Werkstatt diente ein Eckchen des Oberbodens. Absatzprobleme kannte der Meister nicht, gebraucht wurde alles, und so groß wie die Nachfrage war, konnte zu DDR-Zeiten gar kein Material aufgetrieben werden. Herr Polster fand neue Wege, begann sein wunderbares Naturmaterial selber zu schälen und zu veredeln. 1964 tat er sich mit Kollegen in einer Schälgemeinschaft zusammen, und so wurde es möglich, Maschinen zu leihen oder zu kaufen. Mit Unterstützung der ganzen Familie wurde eine Werkstatt gebaut, und bei Arbeitstagen von 7 bis 18 Uhr formten sich unter des Meisters Händen Körbe für alle Zwecke. Große Nachfrage zeitigte lange Wartezeiten und seine gefertigten Lampenschirme zeigten sich als Exportschlager. Viele Lehrlinge, unter anderem auch der eigene Sohn – übrigens eines von sieben Kindern – durchliefen eine bereichernde Lehrzeit. Mit der Wende verringerte sich die Auftragslage, reine Handarbeit war nicht mehr bezahlbar. Herr Polster schloss seine Werkstatt und arbeitete – wie einst sein Lehrer – als Ausbilder in der Blindenanstalt Chemnitz, gab sein Wissen an junge Handwerker weiter und erlebte nochmals Lebenssplitter eines Korbmachers, die er nie missen möchte.
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