MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Franz Poller
Der Poller fährt's
Franz Poller Fuhrgeschäft Remtengrüner Weg 1908236 Ellefeld
„Was wir früher machen mussten, das machen wir heute aus Spaß“, sagt Werner Poller und meint die Instandsetzung alter Lastwagen. Seine Halle steht voller Oldtimer, zumeist „Ostautos“. Ein Jahr brauche man für die Restaurierung eines Autos, so Werner Poller. Und vor allem brauche man Leute, die mit dem Herzen dabei seien. Mit zwei Freunden geht Werner Poller diesem aufwendigen Hobby nach. Und bei allen wichtigen Oldtimer-Veranstaltungen sind ihre Lastwagen-Veteranen dabei.
Die Beschaffung alter Fahrzeuge gestaltete sich schwierig.
In Albanien, Norwegen und Polen hat der Fuhrunternehmer manches Autos wieder gefunden.
Der gelernte Kfz-Mechaniker, Kraftfahrer, und exzellenter Lkw-Kenner, führt ein Familienunternehmer, das sein Großvater 1925 in Ellefeld gegründet hat. Mit zwei Pferden und einen Leiterwagen. 1934 kam der erste LkW, ein Elite aus Brand-Erbisdorf. 1935 wurde der erste Fahrer eingestellt.
1941 requirierte die Wehrmacht alle Lastwagen.
Schritt für Schritt bauen die Pollers in der Nachkriegszeit ihren Fuhrbetrieb wieder auf. “Beute-Lastwagen, die die Soldaten aus dem Krieg mitbrachten, boten damals vielen Unternehmen wieder eine Chance für Selbstständigkeit“, erläutert Werner Poller.
1966 tritt er in die Firma ein, 1968 übernimmt er die Leitung. Über 20 Jahre fahren seine MAS, Robur, B 1000 und W 50 vor allem Schüttgüter und Lebensmittel aus. Wenn die Züge mit dem blauen Fahrgestell, dem roten Aufbau und dem weißen Dach kamen, wussten die Kunden, der „Poller fährt’s“. Als privater Mittelständler in der DDR sah sich auch Werner Poller dem Zwang zur Verstaatlichung ausgesetzt. Mit Hartnäckigkeit, aber auch mit Diplomatie hielt er diesem Druck stand. Ein großes Problem sei die Kraftstoffzuteilung gewesen, erinnert sich Werner Poller. Da habe man schon mal Transporte platzen lassen müssen, um wieder voll zu tanken.
Ab 1986 geht die Spedition mit einem MAS-Lastzug auf DDR-Fernfahrt.
Die Wende stellte den Unternehmer vor eine völlig neue Situation. Ein unüberschaubarer Markt, neue Gesetze und großer Konkurrenzdruck verlangten unternehmerisches Geschick ganz anderer Art.
Heute besitzt Werner Poller 70 Autos und fährt europaweit. Seine 100 Mitarbeiter seien jedoch sein größtes Kapital, so der Firmenchef.
Wenn Werner Poller vom neuen Firmengelände in Ellefeld seine Tour antritt, dann niemals ohne Kalli, einem ehemaligen Straßenhund. Und bevor der 64jährige seinem Adoptivsohn René das Steuer übergibt, will er es selbst noch eine Weile in den Händen halten.