MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Wolfgang und Marion Pilz

„Wir brauchen viele Jahre bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können.“ (Ernst Ferstl)

Wolfgang und Marion Pilz

Am Friedhof 5 b
04849 Bad Düben
Fon: 034243 / 22594

Wolfgang Pilz, als Sohn eines Bergmanns und einer Hausfrau, 1950 geboren, beendete seine schulische Ausbildung mit dem Abitur (Abitur mit Berufsausbildung Maschinenschlosser). Gerne wäre er Lehrer für Polytechnik geworden, doch ein Studium kam vorerst nicht in Frage, aus finanziellen Gründen im Elternhaus. Als er sich für einen dreijährigen Dienst bei der NVA verpflichtete, wusste er noch nicht, dass daraus schließlich Jahrzehnte werden würden. In einer Dessauer Nachrichtenspezialeinheit dienend, entschloss er sich nach einem Jahr seine berufliche Laufbahn in den bewaffneten Organen fortzuführen. Er absolvierte 1970–1973 die Offiziershochschule, trat anschließend seinen Dienst bei den Luftstreitkräften (Nachrichtenflugsicherung, Unteroffiziersausbildung für die Luftstreitkräfte) in Brück an. 1974 nach Bad Düben versetzt, diente er als Zugführer, Kompaniechef und schließlich als Fachlehrer für Flugsicherung. Den Wendewirren und dem Übergang der NVA in die Bundeswehr begegnete er mit der Einreichung seines Entlassungsgesuches. Ende 1990 wechselte er so in den zivilen Bereich, nahm an einer Umschulung zum Industriekaufmann teil. Einen Arbeitsplatz verschaffte der erfolgreiche Abschluss nicht. Wolfgang Pilz arbeitete kurzzeitig bei einem privaten Sicherheitsdienst, ab 1994 in der Papierfabrik Eilenburg im Ein-Aus-Controlling. Die Arbeit machte Freude, der Verdienst stimmte und so blieb er dort bis zum Vorruhe- und Ruhestand tätig. Nun über viel freie Zeit verfügend, nutzte er die für Haus und Garten und vor allem für sein Hobby Modelleisenbahnbau. Im Vorstand des Gartenvereins aktiv, unterstützt er zudem seine Frau bei deren Arbeit im Blinden- und Sehbehinderten-Verein. Mit ihr ist er seit 1974 verheiratet. Sohn Michael (Lokführer) wurde 1981 geboren. Marion Pilz wuchs bei einer Tante auf, da ihre Mutter starb als sie acht Jahre alt war und sie den Vater erst 20-jährig kennenlernen konnte. Das junge Mädchen wollte eigentlich nach Schulabschluss (10. Klasse) Malerin werden. Doch für Mädchen gab es keine Lehrstelle und so wurde sie Metallurge für Formgebung und konnte dabei ihre handwerklichen Fähigkeiten entwickeln. Nur kurze Zeit war sie als Facharbeiter tätig, nahm dann die Arbeit als Pionierleiterin auf – dem Aufruf folgend: „Arbeiter werdet Pionierleiter!“ Im Fernstudium erwarb sie berufsbegleitend den entsprechenden Abschluss und war 15 Jahre als Pionierleiterin tätig. Im Anschluss als Unterstufenlehrerin arbeitend wurde sie mit der Wende entlassen (wie alle ehemaligen Pionierleiter). Arbeitslosigkeit, Weiterbildungsmaßnahmen, ABM, Umschulung zur Rechtsanwaltsfachangestellten und kurzzeitige Beschäftigung folgten. Doch ab 2000 das Augenlicht verlierend, ging sie 2003 in die Berufsunfähigkeit. Mit ihrem Schicksal nicht hadernd engagiert sie sich seither im Blinden- und Sehbehinderten-Verein, ist stellvertretende Vorsitzende. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie jede Hürde im Leben genommen und beide gedenken das auch weiterhin zu tun. „Mach das Beste aus jedem Tag“ beschreibt Marion Pilz ihre Lebenseinstellung und berichtet, dass sie trotz ihrer Einschränkung viel am Computer arbeitet und allseitig interessiert ist. Ob Heringsangeln an der Ostsee, Urlaubsreisen oder Traditionstreffen mit ehemaligen Kameraden der Nachrichtenflugsicherung – die Eheleute wollen gesund bleiben und ihr Leben genießen: „Freue dich deines Lebens, es ist schon später als du denkst“ – diese chinesische Weisheit drängt sich bei diesen Worten regelrecht auf.
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