MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeborg Piltz-Doss
Zwei Leben für die Bühne
und Waldemar Doss
Opernsängerin
Professor für Musik, Konzertpianist
99094 Erfurt
Ingeborg Piltz-Doss kam am 18.09.1927 in Rostock zur Welt, zum Lebensmittelpunkt ihrer Kindheit wurde allerdings die sächsische Metropole Dresden. Ingeborg besuchte die „Höhere Mädchenschule“ und bekam nach der Mittleren Reife eine Anstellung als Tänzerin in der Semperoper. „Ich war hier schon im Alter von vier Jahren im Kinderballett und als Statistin mit auf der Bühne. Meine Oma, eine Österreicherin, war früher Tänzerin in Graz. So bin ich quasi früh in dieses Metier hinein gewachsen. Die Ausbildung war streng und immer auf Disziplin ausgerichtet“, erzählt sie. Nebenbei studierte sie, inspiriert von damaligen Vorbildern, wie Elfride Trötschel, auf privater Basis klassischen Gesang. „Beim Luftangriff auf Dresden am 13.02.1945 haben wir dann alles verloren. Die Semperoper war zerstört, aber die Palucca-Schule stand noch, wo wir weiterhin trainieren konnten. Wir haben auch sofort wieder Auftritte organisiert, vorrangig im ebenfalls unversehrt gebliebenen Kurhaus Bühlau, um die Menschen in dieser schweren Zeit zu unterhalten“, erinnert sie sich. Nach vier Jahren an der Landesoper Dresden und einem Jahr am Operettentheater singt sie während eines gemeinsamen Engagements mit ihrem ersten Ehemann in Erfurt u.a. die „Musetta“ aus „La Boheme“, eine ihrer Lieblingsrollen. Auch die „Susanna“ aus „Figaros Hochzeit“ hat es ihr angetan. Eine weitere vierjährige berufliche Station war die Plauener Oper. In dieser Zeit wurde auch ihre einzige Tochter geboren. 1959 lernte Ingeborg ihren zweiten Mann, den gebürtigen Erfurter Waldemar Doss (21.09.1929), kennen. Einen Konzertpianisten und späteren Weimarer Hochschulprofessor für Liedbegleitung, der am thüringischen Landeskonservatorium studiert hatte. Das Paar heiratete 1962 und wurde in Erfurt sesshaft. Von hier aus agierte Ingeborg Piltz-Doss nun als freischaffende Künstlerin mit eigenen Ensembles und gastierte mithilfe der KGD, der Begleitung ihres Mannes und geschätzten Bühnenkollegen in zahlreichen Opernaufführungen des Landes. Auch wenn die oft heitere Muse ihr Leben bestimmte, schmerzt Ingeborg der Tod ihrer geliebten Tochter mit nur 40 Jahren bis heute. In Enkelin Melanie, einer promovierten Musikwissenschaftlerin aus Meiningen sowie den drei Urenkelinnen lebt sie jedoch weiter. Nach über 85 Bühnenjahren sind die rüstige Sopranistin und ihr Mann, der noch bis 2001 an der Hochschule aktiv war, nun im Ruhestand. „Die Bühne fehlt trotzdem“, gesteht Ingeborg Piltz-Doss, die dem Thüringer Opern- und Konzertleben noch immer nahe steht und inzwischen auch die ganze Welt bereist hat. „Unsere Tiere, allen voran Dalmatinerhündin Pauline, halten uns ebenfalls in Bewegung“, schmunzeln die beiden hochbetagten Zeitzeugen, die als Beweis dafür gelten können, dass ein von Musik geprägtes Leben ein ewiger Jungbrunnen ist.