MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Adam Pippus
Ein Brückenbauer
Schneidermeister
Innungsobermeister a. D.
Körnerstr. 2
99099 Erfurt
„Brücken bauen – Versöhnung leben“, dies wurde zum Motto über Adam Pippus‘ Leben. Das Leid, welches Krieg, Flucht, Vertreibung über Menschen bringen kann, hat er nicht nur in jungen Jahren selbst erleben müssen, tief bewegt hat ihn auch, dass in den neunziger Jahren die Auseinandersetzung zwischen Kroaten und Serben zu neuen Schrecknissen in seinem Geburtsort führte. Umso mehr hat er sich dafür eingesetzt, Spenden gesammelt, dass die Petlovacer Kirche wieder aufgebaut werden konnte, hat ihn gefreut, selbst miterleben zu können, als sie im Jahr 2006 wieder geweiht wurde.
Im damals jugoslawischen Petlovac (deutsch: Sanktivan) waren Jahrhunderte zuvor eingewanderte Donauschwaben ansässig. In die Familie Pippus wurde 1933 der Sohn Adam geboren. Er wuchs hier auf, musste jedoch mit vielen anderen den Ort verlassen, als die deutsche Wehrmacht im November 1944 keinen Schutz mehr bieten konnte. In Ringleben bei Erfurt fand die Familie wieder zusammen. Nach Abschluss der schulischen Bildung erlernte er den Beruf eines Herrenschneiders, konnte fünfzehn Jahre später den Meisterabschluss vorlegen. Er besuchte die Modeschule Benedikt in Berlin mit Abschluss als Modekonstrukteur für Damen- und Herrenoberbekleidung. Adam Pippus war in der Genossenschaft „Erfurter Moden“ als Konstrukteur und stellvertretender Vorsitzender tätig. Der wechselte 1970 als Bereichsleiter Damen- und Herrenmaßschneiderei zum Dienstleistungskombinat Erfurt. Nach dem Besuch der Handelsschule für Außenwirtschaft Berlin wurde er für dreieinhalb Jahre als Inspektionsleiter für Import- und Export-Bekleidung in Zentralasien eingesetzt. Katharina Pippus war als mitreisende Ehefrau während dieser Zeit als Großhandelskauffrau für die bürotechnischen Arbeiten verantwortlich. Nach seiner Rückkehr konnte er sich mit fünf Fachkräften und zwei Lehrlingen, einer eigenen Maßschneiderei und Herrenausstatter, selbstständig machen. Seine Ehefrau war als mithelfende Angestellte für die Buchführung zuständig. Im Jahr 1986 wurde Adam Pippus in der Innungsvollversammlung zum Innungsmeister der Gilde gewählt.
Mit dem Vorruhestand 1992 gab er das Geschäft an einen holländischen Partner ab. Im selben Jahr führte sein Engagement für die alte Heimat zur Gründung einer Landsmannschaft der Donauschwaben in Thüringen, deren Vorsitz er übernahm. Katharina Pippus wurde in den Vorstand gewählt und übernahm die Funktion der Schatzmeisterin und der Schriftführerin. Diese Ehrenämter übte sie 23 Jahre aus. Zudem agiert Adam Pippus im Bundesvorstand der Donauschwaben und im Landesverband Thüringen des Bundes der Vertriebenen e. V. Neben den in Thüringen veranstalteten Heimatfesten wurden die Treffen von ehemaligen deutschen und heutigen kroatischen Bewohnern in der alten Heimatstadt Petlovac in den Jahren 2000, 2006 und 2010 zu Höhepunkten seiner langjährigen Bemühungen um Freundschaft stiftende Verbindungen. Für dieses Engagement wurde Adam Pippus ausgezeichnet und geehrt, u. a. mit der Medaille „Thüringer Rose“, der Medaille „Für Verdienste und in Treue zur Heimat“ und dem Bundesverdienstkreuz am Bande. Daran hat seine Frau Katharina wichtigen Anteil. Auch sie entstammt einer Familie der Donauschwaben, wurde wenige Kilometer von Petlovac in der Stadt Darda geboren. Zwei Söhne, drei Enkel und drei Urenkel wurden dem Ehepaar (Heirat 1953) geschenkt.