MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate und Gerhard Pfeil
Augen zu und durch
Blumenauer Str. 9
06847 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 513695
Renate Pfeil, 1954 geboren, hatte bereits als Kind klare Vorstellungen wie sie einmal beruflich tätig werden wollte: Auf keinen Fall einen Mädchenberuf ausüben, Friseur oder ähnliches kamen nicht in Frage. Von Opas Werkstatt fasziniert, von Schrauben, Werkzeug und andrem magisch angezogen war klar: Etwas Handwerkliches sollte es sein. Nach der Schule lernte sie im VEB Junkalor Dessau (1971–1973), wurde Zerspanungsfacharbeiter und blieb im Betrieb tätig. Sie hatte ihre Berufung gefunden, war zufrieden im Beruf und anerkannt mit ihren Leistungen. Es hätte so weitergehen können, aber es kam anders. Nach 20 Jahren – durch wendebedingte Betriebsveränderungen – wurde sie erst auf null Stunden gesetzt, dann arbeitslos. Verzweiflung und Tränen änderten nichts, sie musste mit der Situation fertig werden. Eine im Robert-Koch-Krankenhaus zugewiesene ABM in der Grünpflege wurde zum neuen Sprungbrett. Abweichend als Stationshilfe eingesetzt bewährte sie sich hier so gut, dass eine neue Anstellung daraus wurde. Im Jahr 2017 sind es 25 Jahre die sie indessen im Gesundheitswesen tätig ist. Immer wieder musste sie sich umorientieren, Trägerwechsel, Umsetzungen und Aufgabenwechsel bewältigen. Heute ist sie in der Großküche des Diakonissenkrankenhauses tätig, „....eine Knochenarbeit...“ wie sie auf den Punkt bringt, was als Arbeit im Serviceteam benannt ist und deshalb klingt als sei es leichte Tätigkeit. Seit 1985 (Hochzeit) wird sie von ihrem zweiten Mann Gerhard auf ihrem Weg begleitet. Ingo (1979, Vorarbeiter) und Heiko (1975, Berufskraftfahrer) aus erster Ehe sorgten für sieben Enkelkinder und dass alle in unmittelbarer Umgebung ansässig sind, ist für die ganze Familie ein Vorteil. Gerhard Pfeil hat im ZAB Dessau Schlosser gelernt, zwei Jahre als solcher und später in der Automatenbrennerei gearbeitet. In seiner Abteilung Blechvorbereitung waren 1990, der Zeit der Wende, 104 Kollegen tätig. Auf 26 Arbeitskräfte wurde reduziert, er konnte bleiben, weil er als Handbrenner spezialisiert und für Bestarbeit bekannt war. Er erinnert sich an die Ungewissheit zuvor, die bange Frage „...bekomme ich einen blauen Brief oder bekomme ich keinen....“ Dass sein ehemaliger Abteilungsleiter und ein weiterer Kollege Weitsicht und Mut hatten aus der alten Abteilung das neue Unternehmen Thylof & Uhle zu generieren, hat seinen Arbeitsplatz bis heute gesichert. Familie Pfeil wohnt gemeinsam mit Mutter Irmgard Nimmrich im Elternhaus. Das Baujahr des Hauses (1926) ist das Geburtsjahr der Mutti, die eigene Räume hat und die Führsorge der Kinder genießt. Renate Pfeil – geprägt durch die Arbeit als Stationshilfe – ist nicht nur Tochter, sondern gleichzeitig Fachkraft für die Begleitung ihrer Mutti, die dankbar ist individuelle Hilfe und Pflege erleben zu dürfen und stolz ist etliche Alltagsdinge auch noch alleine tun zu können. Diese Willenskraft hat sie wohl an die Tochter abgegeben, deren Anspruch immer war: „Augen zu und durch.“ Sie hat nie verzagt, hat jeden Schicksalsschlag tapfer ertragen, sich durchgeboxt. Gerhard Pfeil liest viel, sieht gerne Dokumentationen, denn Allgemeinwissen ist ihm ein Bedürfnis. Renate Pfeil entspannt gerne bei Musik. Beide möchten lange eine gute Gesundheit behalten, wie das bei jedem ist, der merkt schon eine lange Wegstrecke des Lebens zurückgelegt zu haben und sich noch viel vorgenommen hat.