MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Marlis und Wolfgang Pickrodt
„Einer trage des anderen Last“
Tierpflegerin, Näherin
Traktorist
99195 Schloßvippach
Mit ihrem Ehespruch „Einer trage des anderen Last“
verbinden Marlis und Wolfgang Pickrodt jedoch nicht nur die schweren Stunden, sondern vor allem die Freude des gemeinsamen Lebens. Das begann für Frau Marlis im Jahr 1950 schon in Schloßvippach (Thüringer Becken), wo ihre Eltern eine Neubauernstelle innehatten. Den Besuch der Schule und den Abschluss der 10. Klasse verband sie mit der damaligen Möglichkeit, gleichzeitig einen Beruf zu erlernen. Drei Wochen besuchte sie die Schule im nahen Udestedt, eine Woche lernte sie in der Praxis Tierzüchterin. Danach begann sie in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Schloßvippach in der Rinderzucht. Als 1969 der Sohn Kai geboren wurde (durch einen Unfall im Jahr 1992 von ihnen genommen), nutzte sie die Möglichkeit, dass die LPG neben dem landwirtschaftlichen Betrieb eine Nähstube für die Beschäftigung von Menschen, für Schonplätze und Winterarbeit unterhielt. Hier fertigten fleißige Hände für die Puppenfabrik in Waltershausen Puppenbekleidung. Begehrt waren vor allem die aufwändigen Brautpuppen für Abnehmer in Russland. Aus dem Schonplatz wurde der Hauptjob von Marlis Pickrodt, zwanzig Jahre ging sie dieser Arbeit nach, half gelegentlich auch noch in der Landwirtschaft. Als 1991 der Bedarf an Puppenkleidern auslief, ging sie in Kurzarbeit, fand Stellen in der Sprötauer Champignonzucht, in der Küche örtlicher Gaststätten („Zur deutschen Eiche“ und „Ratskeller“), als Reinigungskraft in Büros und die letzten sieben Jahre bis zur Rente 2010 als Verkäuferin in einer privaten Fleischerei.
Seit siebenundvierzig Jahren (Heirat 1969) ist Wolfgang Pickrodt der Mann an ihrer Seite. Sie hatten sich in der LPG kennengelernt, wo er als Traktorist tätig war, bis zum Ruhestand dann in der örtlichen Agrargenossenschaft. Die Familie erweiterte sich um die beiden Söhne (nach Kai kam 1971 noch Frank) und drei Enkelkinder. Viele Jahre war Marlis Pickrodt, bis die Arbeitszeiten im Verkauf dies nicht mehr zuließen, an den Ballettdarbietungen des Faschingsvereins beteiligt. Regelmäßig traf sie sich mit ihren vier Schwestern, die wie sie das Schicksal teilten, dass beide Eltern relativ früh starben. Nun ist auch dieser Schwesternkreis schon kleiner geworden. Beim Backen und Kochen, bei den Blumen in ihrem Garten und in der Betreuung der Enkel sieht Marlis Pickrodt heute ihre Aufgaben.