MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Klaus Philipp
Mit Freikirchlicher Bindung und Westverwandtschaft ohne Repressalien gelebt
Prof.-Dr.-Koch-Str. 7
04158 Leipzig
Fon: 0341 / 5210897
Sie sind beide Jahrgänge 1938 und kennen sich schon seit der Schule – die Philipps. Doch während Karin Philipp nach der Mittleren Reife in die Berufsausbildung ging, absolvierte Klaus Philipp noch die Oberschule. Nach dem Abitur hätte er gern Germanistik studiert, aber diesem Wunsch standen die gesellschaftlichen Verhältnisse im Weg. So lernte er stattdessen beim VEB Motoreninstandsetzung den Beruf Kfz-Schlosser und erhielt im Anschluss eine Delegierung zum Ingenieurstudium. Der frischgebackene Ingenieur für Maschinenbau und Elektrotechnik arbeitete fortan im Bereich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik eines Konstruktionsbüros für die chemische Industrie. Was heute kaum noch passiert, war damals möglich: Eine Tätigkeit in ein und derselben Firma über Jahrzehnte hinweg. Klaus Philipp erlebte das, war seit den 60-er Jahren und über 1989 hinaus im gleichen Betrieb. „1992 wurden wir dann noch verborgt“, erzählt er und berichtete von seinem Einsatz bei der VEBA in Gelsenkirchen. Kein Problem für ihn, denn das Gehalt lief im Betrieb weiter, und die Auslagen wurden erstattet. Seiner Firma selbst half diese Art der Auftragserfüllung und Arbeitsbeschaffung nicht durch die Marktwirtschaft. Nur wenige Aufträge erhielt sie noch, wurde dann von der Treuhand „geordnet abgewickelt“, wie Klaus Philipp erzählt. In DDR-Zeit für einen der wichtigsten Industriezweige tätig, hatte man umfassende Freiheiten und wurde nicht gegängelt. FDGB- und DSF-Mitgliedschaft (Gewerkschaft und Deutsch-Sowjetische Freundschaft) war erwünscht. Klaus Philipp kennt jedoch niemanden, der in die Partei oder zur Stasi-Mitarbeit gedrängt wurde. Es reichte, wenn man öffentlich bekannte, angesprochen worden zu sein, dann war das Interesse an vertraulicher Mitarbeit nicht mehr da, weil nicht mehr geheim realisierbar. Klaus Philipp musste sich, obwohl 1994 durch das Sächsische Staatsministerium nachdiplomiert, nach Abwicklung seines Betriebes, beruflich nicht mehr neu orientieren, kam in den Genuss einer Vorruhestandsregelung. Die neu gewonnene Zeit nutzte er zur Rekonstruktion seines Elternhauses und genoss die ungewohnte Möglichkeit die benötigten Materialien im Baumarkt einfach kaufen zu können, denn zur DDR-Zeit war alles schwer zu bekommen, musste viel improvisiert werden. Aber auch darin war er – wie alle DDR-Bürger – Meister! Karin Philipp hatte zu diesem Zeitpunkt ihre Tätigkeit als Arztsekretärin schon aufgegeben, weil sie die Wandlungen im Gesundheitswesen mit Sorge betrachtete und darin nicht mehr tätig sein wollte. Sie ergänzen sich gut, die seit 1961 verheirateten Philipps. Er mit seiner Betrachtung der Welt vom heiteren Standpunkt aus, sie mit ihrer Erfahrung, die Menschen schnell und richtig einschätzen zu können. Glück ist für beide Harmonie, sagen sie und so teilen die Mitglieder der Evangelisch-Methodistischen Kirche auch den gleichen Geschmack für geistliche und klassische Musik. Als an Kultur interessierte Menschen, missbilligen sie die Grenzen- und manchmal auch Würdelosigkeit der heutigen Berichterstattung der Medien, die oft Recherche und Stil vermissen lässt. Familie Philipp, als Eltern von Sohn Matthias und Tochter Ulrike, freut sich, dass die Kinder in der Nähe leben, weil so auch der Kontakt zu den beiden Enkeln gut möglich ist.