MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Klaus Philipp
Mit Intershop-Mobiliar in die Selbstständigkeit
Warener Str. 60 18109 Rostock
Er hat es nicht immer leicht gehabt, der 1940 geborene Klaus Philipp. Der Vater war im Krieg geblieben, die Mutter verstorben als er noch zur Schule ging. Er wuchs bei den Großeltern auf und erinnert sich noch an die entbehrungsreichen Jahre nach dem Krieg wie den Winter 1946/47, als er in seinem ersten Schuljahr den Weg in die Schule mit vom Opa gefertigten Holzschuhen im Schnee zurücklegen musste. Seine Lehre absolvierte er zum Facharbeiter für organische Grundchemie. Für die Berufswahl mit Ausschlag gebend war der blaue Fiatbus, der als Betriebsfahrzeug eingesetzt war, schmunzelt er heute. Seinen weiteren Weg ging er zielgerichtet. Er arbeitete im Beruf, bewarb sich an der ABF (Arbeiter- und Bauern-Fakultät) und legte dort sein Abitur ab, um in Folge ein Studium aufzunehmen. Dieses schloss er 1971 mit dem Diplom ab, arbeitete während und nach dem Studium im CKB (Chemiekombinat Bitterfeld) in der Produktion, im Rechenzentrum und in der Kaderabteilung. Verantwortlich für die Arbeitskräfteentwicklung beobachtete und analysierte er die Fluktuation der Werktätigen, unterbreitete Vorschläge zur Vermeidung, bis Ende 1979. Er wollte sich beruflich und mit Wohnsitz verändern, bewarb sich im Düngemittelwerk Rostock, war von Anfang an in der Kaderabteilung bei dem Aufbau des Werkes, der Schaffung von Strukturen dabei. 1985 wurde er als Dispatcher in der Werkleitstelle eingesetzt, erlebte dort die Wende und die Auswirkungen: Von einem Tag auf den anderen teilte man ihm und anderen mit, sie müssten nun nicht mehr erscheinen. Zu gleicher Zeit wurde seine Frau Christa, Preisinspektor im Interhotel „Neptun“, arbeitslos. Beide hatten indessen ein Haus gebaut, waren noch zu jung um nichts tuend zu Hause zu bleiben. So krempelten sie die Ärmel hoch, bauten kurzerhand die Garage zu einem kleinen Laden um, richteten diesen mit Mobiliar aus einem aufgelösten Intershop ein und waren nun bestens gerüstet den Verkauf von Getränken, Eis und Süßwaren zu starten. Die Einkäufe erledigten sie anfangs mit Trabant und Hänger. Es ging eben alles! Dem zufälligen Lesen einer Anzeige und ihrem zielgerichteten Kampf um das Objekt, verdankten sie den Kauf eines ehemaligen Ferienheims, das umgebaut zum Gästehaus, nun mit der Vermietung zweites Standbein wurde. Ehefrau Christa erkrankte, verstarb, Klaus Philipp stand alleine da. Hilfe erhielt er von seiner ehemaligen Schulkameradin Karin Lehmann – heute seine Lebensgefährtin. Indessen ist die Pension in die Hände eines der beiden Söhne übergeben, der kleine Laden geschlossen. Die Zeit wird trotzdem nicht lang, denn oft heißt es an seine und die Adresse seiner Partnerin gerichtet: „Könnt ihr mal...?“ und dann ist Hilfe in der Pension angesagt.