MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Angela und Kurt Pichler

Kein Pfennig durfte fehlen

Angela und Kurt Pichler
Buchhalterin und Schlosser

04610 Meuselwitz

Ihr Haus haben sie gemeinsam gebaut, ohne fremde Hilfe. „Doch mit viel Freude“, meint Kurt Pichler. Es sollte ein gutes Zuhause werden. Für sie beide und die Söhne, ergänzt Angela Pichler. Dafür hätten sie gearbeitet. Auch nach Feierabend. Ihr Mann habe den Leuten die Wohnstuben tapeziert, sie für andere genäht (Strümpfe). Kurt und Angela Pichler, beide Jahrgang 1936, sind stolz auf das, was sie im Leben geschafft haben. Und wenn sich Kinder, Schwiegerkinder und Enkel zu Familienfeiern in ihrem Haus versammeln, sind die harten Jahre vergessen. Kurt Pichler ist ein „Vertriebener“. Er stammt aus Königsberg. 1948 kam er mit seinen Eltern und den vier Geschwistern nach Meuselwitz. Nach einer Schlosserlehre ist er erst einmal arbeitslos. Eine Verpflichtung „Dienst für Deutschland“ lehnt er ab. Stattdessen klopft er bei der Bauunion Steine. Das Arbeitsamt vermittelt den Schlosser schließlich nach Mecklenburg-Vorpommern. 1957 kehrt er nach Meuselwitz zurück. Er lernt seine Frau kennen. 1958 heiraten beide. Zehn Jahre ist Kurt Pichler als Werkstattschlosser im Tagebau beschäftigt und nach dessen Schließung in der Meuselwitzer Maschinenfabrik. Er besucht Lehrgänge, um auch als Maschinenschlosser eingesetzt zu werden. 1991 beginnt Kurt Pichlers Vorruhestand. In Posa wächst Angela Pichler auf. Für den Vater, einen Schuhmachermeister, erledigt die Tochter bereits Büroarbeiten. Deshalb schickt sie dieser auf die Kaufmännische Berufsschule. Die mittlere Reife holt das Mädchen auf der Abendschule nach. Ab 1957 macht Angela Pichler die Lohnabrechnungen in der Poliklinik. Springt auch ein, wenn der Ärztin die Schreibkraft fehlt. Nach der Geburt der Kinder bleibt Angela Pichler drei Jahre zu Hause. Danach wird sie Repassiererin bei der HO. 1965 kommt ihr dritter Sohn zur Welt. „17 Jahre habe ich dann Strümpfe in Heimarbeit repariert. Ich konnte mich ganz um meine Kinder kümmern“, so Angela Pichler. 1980 wird sie Materialbuchhalterin in der Melioration. Später muss sie auch die Lohnbuchhaltung in Vertretung für Urlaub und Krankheit übernehmen. Diese Doppelbelastung hatte es in sich. Zumal sie alles per Hand schreiben musste. Also die Zuarbeit für den Zentralcomputer wurde von ihr bearbeitet, bis zu ihrem Ausscheiden 1990. „Wenn nur ein Pfennig gefehlt hat, mussten wir alle noch einmal rechnen“, sagt sie. Leider könnten sie nicht mehr verreisen, bedauern die Eheleute. Kurt Pichler ist stark sehbehindert. Er hat nun Hörbücher für sich entdeckt. Gesundheit ist für die Pichlers das wertvollste Gut. Ein Stück davon noch eine Weile festzuhalten, darauf hoffen sie …
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