MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Liane und Siegfried Bischof
„Das war halt so....“
Landwirte
Rochlitzer Str. 8
09306 Rochlitz OT Noßwitz
Die 1938 geborene Liane Bischof (geb. Müller) beschreibt die eigene Kindheit als Spielparadies auf dem Land mit Verstecken in Rüben- und Kartoffelmieten, Kreiselspiel, viel frischer Luft und Gemeinsamkeit mit anderen Kindern der Straße. Doch sie erzählt auch von dem Vater, der 1943 im Krieg fiel, von der alleinerziehenden Mutter die später wieder heiratete, von dem 1950 in zweiter Ehe der Mutter geborenen Halbbruder und ihren Aufgaben bei seiner Betreuung und innerhalb der sieben Hektar großen elterlichen Wirtschaft. Zeitig Verantwortung übernehmen und trotzdem kindliches Vergnügen mit einfachsten Dingen genießen, dieses Spiegelbild der damaligen Zeit fasst sie mit den Worten zusammen: „Das war halt so....“ Genauso selbstverständlich war es, dass sie nach Abschluss der 8. Klasse die Landwirtschaftliche Berufsschule besuchte und auf dem Hof der Eltern arbeitete. Sie lernte ihren Mann Siegfried kennen, heiratete ihn 1957. Im Zuge der Kollektivierung in der Landwirtschaft erfolgte 1962 der Betritt ihrer Eltern in die LPG. Liane Bischof nahm 1963 in der LPG die Arbeit im Stall und auf dem Feld auf und blieb bis zum Renteneintritt so tätig. Siegfried Bischof ergänzt den Bericht seiner Frau: „Mit der LPG das war nicht so eine Sache.....die Werber kannten keine Grenzen, traten sehr aggressiv auf und ohne Benehmen.....vorne habe ich das Tor zugeschlossen, hinter stiegen sie über den Zaun....entronnen ist ihnen keiner...“ Die LPG in der die Bischofs tätig waren ging nach der Wende in den Konkurs. Siegfried Bischof wurde 1938 geboren. Acht Jahren Schulbildung folgte ab 1952 die Lehre in der Landwirtschaft. Er erinnert sich an die Kriegszeit, an den Schulausfall im ersten Schuljahr und erzählt: „Dann sind wir im Graben mit dem Ranzen an der Hand nach Hause gerobbt....“ Auch die Rückkehr des Vaters aus dem Krieg steht ihm noch deutlich vor Augen: „Da kam ein armseliges Bündel an, abgemagert, die Schuhsohlen mit Bindfaden am Oberleder festgemacht damit sie nicht abfielen...“ Nach seiner Hochzeit sollte er den Betrieb des Großvaters (18 Hektar) übernehmen, entschied sich aber dagegen. Er blieb im Ausbildungsbetrieb tätig. In einer LPG wollte er aber nicht tätig werden, arbeitete 1959–1962 deshalb bei einem Krankentransport. „Doch wenn du in der Landwirtschaft groß geworden bis, willst du in die Natur...“ begründet er seine Rückkehr in die Landwirtschaft (Einzelwirtschaft innerhalb der LPG bis 1970, Brigadier Feldbau bis 1973, Futterbrigadier bis 1975, Bereichsleiter Jungvieh bis 1979). Das Erzählen eines politischen Witzes am Stammtisch führte zu staatlichen Repressalien und endete schließlich in der Wegnahme der Führungsverantwortung und damit begründet in eigener Kündigung der Arbeitsstelle. Der Pferdenarr von Kindesbeinen an (mit neun Jahren erstes Pferd, Großvater sorgte für eigenen Stall mit Scheune) arbeitete fortan im Pferdesport und in der Pferdebetreuung der LPG bis zur politischen Wende in der DDR. Nach Insolvenz der LPG überbrückte eine ABM die Zeit bis zum Renteneintritt. Als Mitglied (seit 1952) und Vorsitzender (1970–2005) des Reitvereins Noßwitz blieb Siegfried Bischof dem Reitsport treu. Er organisierte Reitturniere mit, einschließlich der Süddeutschen Meisterschaften im Fahren im Jahr 2004. Für die Familie war es selbstverständlich Vater Siegfried allumfassend zu unterstützen, so wie es immer für alle selbstverständlich war und ist gegenseitig füreinander da zu sein. Sohn Friedhelm und Tochter Heidrun, fünf Enkel und fünf Urenkel gehören zu dieser so gut funktionierenden Einheit, deren Wunsch der Fortbestand der Landwirtschaft ist.