MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Jürgen und Inge Bobe

„Zufriedenheit mit seiner Lage ist der größte und sicherste Reichtum“ (Marcus Tullius Cicero)

Jürgen und Inge Bobe

Optikermeister
Examinierte Krankenschwester
Harrasallee 32
09577 Niederwiesa OT Braunsdorf

Jürgen Bobe wurde 1929 als Sohn eines Optikermeisters und einer Hausfrau in Chemnitz geboren. Sein Vater war mit seinem Beruf in die Fußstapfen seines Grußvaters getreten, der auch als Optikermeister arbeitete. Die Mutter starb früh, Sohn Jürgen war gerade erst in die Schule gekommen. Vater Bobe stand nun mit drei kleinen Kindern (zwei Schwestern, 7 und 5 Jahre alt), Geschäft und Haushalt alleine da – mitten in Kriegszeiten. Als in Chemnitz die ersten Sirenen vor Luftangriffen warnten, nahm die Tante die Kinder zu sich nach Kulmbach. Hier besuchten die Geschwister die Schule, kehrten später zum Vater zurück, als der 1946 wieder heiratete. Jürgen Bode lernte bei einem Optikermeister (ehemaliger Lehrling seines Vaters) den Beruf Optiker, ging danach auf Walz. Er bewarb sich zum Fachschulstudium in Jena und West-Berlin. In Jena war die Ausbildung nicht möglich, da viele Lehrkräfte in den Westen gegangen waren. Das Studium in West-Berlin war kein Problem, da die Stadt zu dem Zeitpunkt noch nicht durch die Mauer geteilt war. So freute er sich über die Zulassung dort und absolvierte erfolgreich das Meisterstudium. Er sammelte praktische Erfahrungen in verschiedenen Arbeitsstellen und arbeitete ab 1957 im väterlichen Geschäft. Zur richtigen Zeit, wie sich herausstellte, denn der Vater erkrankte schwer. Viel hatte er bis dahin geleistet: Das zentral gelegene Geschäft im Marktgässchen war völlig ausgebombt. In einer Ruine in der Nebenstraße (es stand nur noch das Erdgeschoss) hatte er seinen Optikerladen neu eröffnet und unter äußerst schlechten Bedingungen weiter betrieben. Später konnte er ein leer stehendes Haus übernehmen, das vom Vorbesitzer wegen Übersiedlung in den amerikanischen Sektor verlassen wurde. Er baute es aus und eröffnete 1957 dort neu. Doch schon 1961 fiel die staatliche Entscheidung dieses Haus einem Vorhaben für den Plattenwohnungsbau zu opfern. Es wurde kurzerhand abgerissen. Der Vater erlitt einen Herzinfarkt, Sohn Jürgen nahm nun die Geschicke in seine Hände. Glück für ihn war, dass er ein anderes, leerstehendes Optikergeschäft übernehmen und den väterlichen Betrieb dort weiterführen konnte. Dass er am Krankenbett seines Vaters auf die Krankenschwester Inge traf, sorgte zudem für privates Glück. 1962 heiratete das Paar, die Töchter Katrin (Optikermeisterin), Anita (MTA) und Birgit (Optikermeisterin) bereicherten bald die Familie und haben indessen für acht Enkel und drei Urenkel gesorgt. Seit Jürgen Bobe mit 65 Jahren in die Rente ging, weiß er sein Lebenswerk in guten Händen, denn seine Tochter führt es fort. Inge Bobe freut sich nun mehr Zeit mit ihrem Mann gemeinsam verbringen zu können. 1940 in Dresden geboren, war auch sie von den Auswirkungen des Krieges betroffen. Sie verlor ihren Vater in den letzten Kriegstagen, lebte mit ihrer Mutter im Erzgebirge. Hier besuchte sie die Schule, hier durchlief sie ihre Ausbildung zur Hilfsschwester. Sie arbeitete als solche, studierte dann an der Medizinischen Fachschule Aue und erlangte den Diplom-Abschluss als Examinierte Krankenschwester. Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel führten sie nach Karl-Marx-Stadt und letztendlich dadurch an das Krankenbett des künftigen Schwiegervaters und zur späteren Familiengründung mit Jürgen Bobe. „Mir hat es immer Freude gemacht Menschen zu helfen...“ fasst sie schlicht die Liebe zu ihrem Beruf zusammen. Ab 1975 – nach Auszeit für Familie und Kinder – unterstützte sie ihn als mithelfende Ehefrau. Die Bobes durchstanden die Mangelwirtschaft in der DDR, versorgten ihre Kunden so gut es ging, führten Wartelisten. „Manchmal musste Monate lang auf bestellte Gläser gewartet werden. Nachdem sie kamen, passten sie teilweise nicht mehr, weil die Augen sich indessen wieder verändert hatten....“ erzählen sie. Nach der Wende war dann alles neu. Die Maschinen, die Gläser, die Bestellnummer, die Gesetzlichkeiten... berichten sie weiter. Doch Jürgen Bobe wollte die schwere Zeit der Umstellung mit allen ihren Herausforderungen nutzen, weil er erstmals alle Kunden auf Anhieb versorgen und zufriedenstellen konnte. Er sagt heute rückblickend stolz: „Wir sind mit unserem Leben zufrieden“. Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, gegenseitige Achtung und Hilfe waren Grundstein ihres Zusammenlebens und ihres sozialen Verhaltens. Mit Gartenarbeit halten sich die Eheleute heute fit. Lesen gibt Fitness für den Kopf und Handarbeiten erfreuen Inge Bobe. Sie bedauern den Werteverfall in der Gesellschaft, die immer mehr aufkommende Oberflächlichkeit und das hohe Anspruchsverhalten. Etwas mehr Genügsamkeit und Demut täte allen gut.
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