MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rosel Blaess
„Wenn ich groß bin, werd‘ ich Lehrerin!“
Unterstufenlehrerin
99885 Wölfis
Als sie noch ein Kind war, soll sie nach dem dritten Schultag in der ersten Klasse zu ihrer Mutti gesagt haben: „Wenn ich groß bin, werd‘ ich Lehrerin!“ Rosel Blaess aus Wölfis in Thüringen kann sich selbst zwar nicht mehr daran erinnern, aber es ist tatsächlich so gekommen. Die Grundschullehrerin im Ruhestand, seit 1974 mit ihrem Mann Frank (Gas- und Wasserinstallateur, bis 2013 im Allgäu auf Montage gewesen) verheiratet, hat sich ihren Berufswunsch erfüllt. Geboren 1954 in Wölfis, ging sie dort zehn Jahre zur Schule und studierte von 1970-1974 am Institut für Lehrerbildung in Meiningen. Rosel Blaess, die 1972 bereits ihr erstes Kind (Tochter Jeannette, lebt in Paderborn) bekam, erhielt von ihrer Mutter sehr viel Unterstützung. Während die Mutter aufgehört hatte zu arbeiten, um das Enkelkind zu betreuen, konnte Rosel zu Ende studieren und im Meininger Internat die Woche über wohnen und lernen. Rosel Blaess schloss als Unterstufenlehrerin, Horterzieherin und Pionierleiterin ihr Studium ab und war zunächst zwei Jahre im Hort an der Schule in Wölfis beschäftigt. Zwei Jahre später dann klappte es endlich, als Lehrerin im Heimatort arbeiten zu können. Mit Sohn Thomas (geboren 1976, lebt heute in Achim bei Bremen) war sie gerade im Babyjahr und musste aber - aufgrund einer Regelung für Mütter mit zwei Kindern - im September im Schuldienst anfangen. Wieder opferte sich ihre Mutter auf, kümmerte sich um beide Enkelkinder. Bis zur Wende lehrte Rosel Blaess an der Polytechnischen Oberschule Wölfis im Unterstufenbereich. Nach der Wende blieb Wölfis (1 400 Einwohner) Grundschule und Rosel Blaess wurde übernommen. Nach 43 Dienstjahren in ihrem Heimatort konnte sie am 30. Juni 2017 in Rente gehen. Die Besonderheit ihres Berufslebens lag darin, dass die Pädagogin mit dem Schwerpunkt Sportlehrerin nur bis 1997 auch stets als Klassenleiterin fungierte. Zunehmend war sie bis zu ihrer Pensionierung als Schwimmlehrerin in Gotha tätig. Das war in Ordnung und sie hat diese glückliche Fügung nie bereut, erklärt Rosel Blaess im Nachhinein. Vergleicht sie Vor- und Nachwendezeiten im Schuldienst miteinander, so zieht sie folgende Bilanz: „Elternhaus und Schule haben zu DDR-Zeiten besser zusammengearbeitet“. Heute engagiert sich Rosel Blaess, die zwei Enkelkinder hat, als Vorsitzende im Heimat- und Geschichtsverein (seit 2002) und schreibt seit 2000 die Ortschronik. Auch dem Schwimmbadverein gehört sie an und leitet eine Seniorensportgruppe. Regelmäßig trifft sich die ehemalige Lehrerin mit neun Frauen in der Spinnstube. Da wird das ganze Jahr über – für eine Tombola zum Wölfiser Weihnachtsmarkt am 3. Advent – gehäkelt, gestrickt und gebastelt. Seit 2017 ist Rosel Blaess auch noch Seniorenbetreuerin, die sich um Belange der Senioren im Ort kümmert. Sie ist stolz auf ihr Lebenswerk und ihre Familie und möchte noch lange gesund bleiben. Ihr Lebensmotto heißt „Immer positiv denken!“