MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Roselinde und Harry Blau
Alles hat seine Zeit
Hasenwinkel 18
06846 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 619214
Als Roselinde Böhmer und Tochter von Landwirten 1937 geboren, besuchte sie die Grund und Oberschule und hatte ursprünglich die Absicht einen medizinischen Beruf zu erlernen. Doch als sich statt dem Fachschulbesuch die Möglichkeit des Abiturabschlusses bot, entschied sie sich am Ende der 12. Klasse für einen anderen Weg, schlug die pädagogische Richtung ein. In Halle absolvierte sie ein dreijähriges Studium, schloss es 1958 als Diplom-Lehrerin ab. Durch die Studienlenkung kam sie nach Dessau, wohnte vorerst zur Untermiete und trat ihre erste Stelle an. Eine Kollegin an der Schule animierte den eigenen Bruder zur Kontaktaufnahme, der daraufhin völlig fremd doch mutig auftretend bei ihr vorsprach, nicht wissend, dass daraus eine Partnerschaft für das ganze Leben werden sollte. Seit 1966 ist er ihr Ehemann. Genauso gradlinig verlief ihr Berufsleben. 33 Jahre lehrte sie an der Polytechnischen Oberschule an der sie ihren ersten Unterricht gehalten hatte. Erst nach der politischen Wende in der DDR wechselte sie als Mathematiklehrerin an das Gymnasium, blieb hier bis zum Renteneintritt 1997 tätig. Der DDR trauerte sie nicht nach und doch begrüßte sie als Lehrerin nach der Wende manche Veränderungen an der Schule nicht. Die Auszeichnungen als Aktivistin, die Verleihung der Pestalozzi-Medaillen in Bronze, Silber und Gold und die Berufungen zum Oberlehrer und Studienrat zeugen von ihrem beruflichen Erfolg. Viele Jahre gab sie noch Nachhilfeunterricht für Abiturienten, blieb so im Stoff und konnte einer Reihe von jungen Leuten noch helfen das Abitur zu bestehen. Mit 75 Jahren fand sie dann es sei genug, wollte die verbleibende Lebenszeit mehr für sich selbst nutzen. Wenn sie heute beim Sport angesprochen und erinnert wird die ehemalige Lehrerin gewesen zu sein freut es sie, denn es zeugt davon: sie hat Spuren hinterlassen. Ehemann Harry, 1935 geboren, wollte als Junge Lokomotivführer werden, nach dem Krieg – auch der Erfahrung mit dem Hunger wegen – Koch. Letztendlich aber konnte er seine Wünsche nicht erfüllen, musste annehmen was er als Lehrstelle finden konnte und der Vater für ihn entschied. So durchlief er drei Jahre die Ausbildung zum Elektriker, verpflichtete sich danach zum Dienst bei der Kasernierten Volkspolizei. Doch eine TBC-Erkrankung forderte zwei Jahre später sowohl diese Pläne als auch den Elektriker-Beruf aufzugeben. Damit zur Umschulung gezwungen nahm er die Gelegenheit wahr in einer Rehabilitationseinrichtung zum Fernseh- und Rundfunkmechaniker ausgebildet zu werden. Im Dienstleistungskombinat Dessau (später RFT) nahm er die Arbeit auf, qualifizierte sich 1966/67 zum Handwerksmeister und blieb dem Betrieb bis zu dessen Abwicklung treu. Die letzten Jahre bis zum Renteneintritt war er in einem Privatunternehmen tätig.
Bedingt durch die Verwandtschaft zum ehemals ältesten Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer (Bruder von Roselinde Blau) ziehen es die Blaus von je her vor in der Öffentlichkeit nicht hervorzutreten. Sie konzentrieren sich auf das Privat- und Familienleben, sind stolz auf Tochter Margrit (geb. 1967, Ärztin), Enkel- und Urenkelkind. Mit Lesen und am Computer bleiben sie darüber hinaus aktiv am Geschehen beteiligt und ansonsten wünscht man sich oberhalb der 80 Jahre einfach nur Gesundheit verraten sie.