MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Waltraud Petzold
Harte Arbeit, aber immer glücklich
mit Hund Jacki
Landwirtin
Dahlener Weg 21
04774 Wermsdorf OT Calbitz
Von der Mutter erbte sie den Familiensinn, vom Vater lernte sie das Kühemelken. Die Familie bis heute zusammenzuhalten, ist ihr wichtig, die Arbeit in der Landwirtschaft schaffte ihr berufliche Befriedigung. Geboren wurde sie als Waltraud Jakob 1938 im niederschlesischen Alt Jauer. Als drittes Kind von vier Geschwistern wuchs sie in einer Familie auf, in der der Beruf des Schweizers in der Kuhwirtschaft das Leben prägte. Doch der Vater musste in den Krieg ziehen, so blieb die Mutter alleine mit den vier Kindern zurück. In den schweren Zeiten nach dem Krieg, nun bestimmten die Polen das Geschehen, gab es keine Gelegenheit für Schulunterricht. Die Geschwister wurden für das Hüten des Viehes gebraucht, waren oft von früh bis spät auf der Weide. Als der Vater, aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrend, in Sachsen Fuß fasste, bedurfte es großer Anstrengungen über das Rote Kreuz, dass die Familie 1950 endlich wieder zusammenkommen durfte. Am Rand der Dahlener Heide fand sie neue Heimat, mit zwölf Jahren konnte die junge Waltraud nun endlich die Schule besuchen. Bis heute gehört es zu ihren größten Enttäuschungen, nicht intensiver haben lernen zu können, ihr Wunschberuf Tierärztin blieb dadurch unerfüllt. Mit sechzehn Jahren verließ sie die allgemeinbildende Schule, besuchte aber danach noch die landwirtschaftliche Berufsschule in Dahlen. Zugleich begann ihr langjähriger beruflicher Einsatz in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). In der LPG „Eintracht“ Luppa (dessen Ortsteil Calbitz 1974 wurde, 1999 Eingemeindung nach Wermsdorf) war sie vielseitig einsetzbar, auf dem Feld, im Stall, aber auch in der Küche oder zeitweilig im Kindergarten. Im Winter gab es Arbeit bei der Konservenherstellung des damals bekannten Malkwitzer Sauerkrauts. Seit der Heirat 1960 stand Werner Petzold an ihrer Seite. Er entstammte einer benachbarten landwirtschaftlich geprägten Familie am Ort (anfangs mit eigenem Hof, später in der LPG), war dann vor allem als Traktorist tätig. Als die Söhne geboren wurden (1961 Mario, 1966 Ingolf, 1970 Hanno), blieb Frau Waltraud wenige Monate zu Hause, engagierte sich dann wieder in der LPG. In jener Zeit lernte sie es schätzen, dass die DDR-Arbeitsgesetzgebung den Frauen einen Hausarbeitstag zugestand, dies half Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Als die LPG 1990 aufgelöst wurde (denn die DDR-Agrarstrukturen wurden abgewickelt), ging sie ebenso wie ihr Mann in den vorzeitigen Ruhestand, übernahm aber gern gelegentliche Aufgaben für die Nachbarn. Seit ihr Mann Anfang 2018 starb, bleibt ihr die Familie, die drei Söhne (alle mit handwerklichem Beruf) wohnen noch am Ort. Fünf Enkelkinder sind Waltraud Petzolds Liebe anvertraut.