MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Richard Pfannenschmidt
Fahrt durchs Leben
Teppichweber, Kraftfahrer, Industriemeister
07549 Gera
In Großebersdorf, südlich von Gera, besaßen die Eltern von Richard Pfannenschmidt einst die Gaststätte „Adler“. 1947 hier geboren, war der junge Richard angehalten, neben dem achtjährigen Schulbesuch in der Nachbargemeinde Frießnitz im Restaurantbetrieb zu helfen. 1961 hatte er schon die Zusage für eine Lehrstelle im Westen Deutschlands, doch der Mauerbau am 13. August verhinderte die Abwanderung. In Münchenbernsdorf wurde er in drei Jahren zum Teppichweber ausgebildet, arbeitete anschließend mehrere Jahre im Beruf, ließ sich zum Einsatz als Bauhilfsarbeiter in Göschwitz werben und begann 1969 beim VEB Kraftverkehr als Beifahrer, erwarb die Fahrberechtigung einschließlich LKW, musste jedoch 1970 noch seinen anderthalbjährigen Pflichtdienst in der Armee ableisten. Zurück im Zivilleben wurde er Kraftfahrer beim Kombinat Keramische Werke Hermsdorf (KWH). Ab 1972 fuhr er sechs Jahre in großen Limousinen den Parteisekretär der Staatspartei SED (gab es in jedem Werk) und ausländische Delegationen. Das ständige Unterwegssein, die ausufernden Dienstzeiten schädigten den Familienzusammenhalt, wie er und seine Frau Doris (Heirat 1972) übereinstimmend meinten. Deshalb ließ er sich 1978 als Lagerleiter in den Versand versetzen, konnte 1984 einen Abschluss als Industriemeister erwerben. Als er 1987 aus der SED austrat (damals eine ungeheurer Vorgang), denn die Leugnung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei Materialversorgung und Produktivität war nicht mehr auszuhalten, folgten Schikanen, wurde ihm nahegelegt, das Werk zu verlassen. Im Januar 1989 wechselte er zur Einkaufs- und Liefergenossenschaft (ELG) des Friseurhandwerks, arbeitete im Lager. Als mit dem Ende der DDR die ELG in der FPE - Friseur- und Kosmetikbedarf eG aufging, war er mehrere Jahre im Außendienst eingesetzt. Ab 2002 wurde er im Zentrallager der Genossenschaft in Chemnitz gebraucht. Die Erkrankung seiner Frau (Anfang Januar 2010 verstorben) und deren Pflege sowie ein eigener Unfall setzten im Jahr 2009 seiner beruflichen Tätigkeit eine Zäsur, so dass es gut war, als er im April 2010 in Rente gehen konnte.
Doris Pfannenschmidt hatte einst für den „ VEB Carl Zeiss Jena“ gearbeitet, wurde entlassen, als die Geraer Zweigstelle auf Erzeugnisse für den militärischen Gebrauch umstellte, arbeitete danach als Materialdisponentin beim Landbau und in der Materialwirtschaft eines Elektronikbetriebes, zuletzt als Mitarbeiterin des Versorgungsamtes. Tochter Claudia (1972 geboren) und ein Enkelkind erweiterten die Familie.