MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert und Brigitte Pfau
Einst selbst auf der Flucht, heute für Flüchtlinge aktiv
Vermessungsingenieur
Kinderdiakonin, Chemiefacharbeiterin
Schützenstr. 12
04680 Colditz
Auf der Flucht aus dem schon bedrohten Königsberg brachte die Mutter die kleine Brigitte 1944 in Mühlhausen / Ostpreußen zur Welt. Als Brigitte Link wuchs sie mit drei Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf, selbst der Spinat wurde gestreckt und die Kekse waren aus Kartoffelschalen. Auch waren die Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten nun in Sachsen nicht so wirklich gern gesehen. Doch die junge Brigitte konnte die 10. Klasse abschließen und ihre dreijährige Ausbildung als Kinderdiakonin in Bad Lausick und Leipzig aufnehmen. Im kirchlichen Kindergarten von Meerane ging sie sechs Jahre diesem Beruf nach, ehe sie 1970 nach Colditz zog, Heirat und Familiengründung (Annett 1968, Matthias 1970) setzten neue Prioritäten. Frau Brigitte blieb die ersten vier Jahre Hausfrau, dann begann sie im Schmelzfarbenwerk Colditz, holte einen Abschluss als Chemiefacharbeiterin nach, war in Konfektionierung, Produktionsorganisation und Abrechnung tätig und blieb bis 2004, als sie in den Ruhestand wechseln konnte.
Der kleine Ort Jeziorko, wo Herbert Pfau 1943 geboren wurde, liegt zwischen Lodz und Warschau, stets eigentlich polnisches Gebiet (wenn auch mehrfach besetzt). Seine Eltern aus einer deutschen Siedlerfamilie betrieben eine kleine Landwirtschaft, doch als der Krieg zu Ende war, wurden sie enteignet und für die Untaten der deutschen Besatzer in Haftung genommen, mussten zur Wiedergutmachung auf den Höfen polnischer Besitzer schuften. Selbst der Gebrauch der deutschen Sprache wurde ihnen verboten, so dass der junge Herbert, als sie 1950 endlich nach Deutschland aussiedeln durften, erst einmal die Muttersprache fast neu lernen musste. Im September 1950 begann sein Schulbesuch in Lastau (Mittelsachsen). Nach Abschluss der 10. Klasse in Colditz folgten eine Lehre zum Vermessungstechniker beim VEB Topographischer Dienst in Dresden und anschließend drei Jahre im Katasteramt von Rochlitz. Nach dem Studium an der Ingenieurschule für Geodäsie und Kartographie Dresden wurde er 1969 vom VEB Talsperrenbau Weimar bei der Errichtung der Talsperre Lichtenberg (Erzgebirge) eingesetzt, eine Tätigkeit, der er, am Ende als Chefvermesser, dann einundzwanzig Jahre bis 1990 auch bei anderen Projekten (u. a. Pumpspeicherwerk Markersbach) nachgehen konnte.
Heute engagiert sich das Ehepaar für Flüchtlinge, die aus vom Krieg bedrohten Ländern zu uns kommen, in der Willkommensgruppe Colditz. Seit 43 Jahren ist Brigitte Pfau Mitglied im örtlichen Kirchenchor, Herbert Pfau widmete sich dafür dem Sportverein. Das Ehepaar freut sich am Kleingarten und den beiden Enkelkindern.