MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans-Georg Petschke
Traditionsbewusstsein, Reiselust und schnelle Maschinen
Karl-Liebknecht-Str. 9
06772 Gräfenhainichen OT Möhlau
Fon: 034953 / 88367
In Folge der Kriegsumstände, verbunden mit dem Tod des Vaters, siedelten sich die Mutter und der 1938 geborene Sohn Hans-Georg Petschke 1947 in Möhlau an. Hier besuchte er die Schule bis zur 8. Klasse und entgegen den Wünschen der Mutter auf weiteren Schulbesuch, entschied er sich im Anschluss eine Lehre in der Lehrwerkstatt Zschornewitz zum Elektriker (1952–1955) anzutreten. Danach hatte er das Glück als einer von sechs der dreißig Lehrlinge eine Anstellung im Braunkohlenwerk Golpa zu erhalten. In Vorbereitung seines Studiums holte er in den entscheidenden Fächern die Mittlere Reife nach, nahm 1958 an der Berg-Ingenieurschule in Zwickau sein Studium auf, das er 1961 als Bergelektroingenieur abschloss. Seinen festen Willen zum Erfolg hatte er in sportlicher Laufbahn seit 1952 antrainiert. Den Kanuclub im Wohnort hatte er mit aufgebaut, als Aktiver mehrfach Bezirksmeistertitel geholt und als Drittplatzierter an der DDR-Meisterschaft teilgenommen. Als Übungsleiter gab er sein Wissen weiter. Indessen Ingenieur und in den Betrieb zurückgekehrt, und als junger Familienvater (Hochzeit 1962, Geburt der Kindern Simone und Rene 1961 und 1963) setzte er jedoch andere Prämissen. Er erlebte die Auflösung des Braunkohlenwerkes Golpa, die Gründung des Braunkohlenkombinates „Einheit“ Bitterfeld, des Braunkohlewerkes Mulde Nord Gräfenhainichen und des Braunkohlekombinates Bitterfeld. Er arbeitete als Ingenieur in der Hauptenergetik, der Instandhaltung, in der technischen Vorbereitung und die letzten 18 Jahre bis 1991 als Gruppenleiter bzw. Abteilungsleiter Projektierung.
Am 30.06.1990 hatte das Braunkohlenkombinat als Volkseigener Betrieb aufgehört zu existieren, die MIBRAG und das Anhaltinische Braunkohlenwerk wurden gebildet. Die Abteilung Projektierung wurde am 31.10.1991 aufgelöst, sie wurde Teil der Mitteldeutschen Braunkohle Sanierungsgesellschaft. In dieser war Hans-Georg Petschke bis zum Erreichen der Altersrente 1997 für die Erarbeitung der technischen Unterlagen des Rückbaus der Altanlagen in den geschlossenen Tagebauen, Brikettfabriken und Kraftwerken zuständig. Für seine gute Arbeit war er in der DDR mehrfach als Aktivist ausgezeichnet worden und mit der Verdienstmedaille der Kohleindustrie geehrt worden. Gesellschaftlich engagierte er sich als Vorsitzender des Jugendweiheausschusses Möhlau für die Jugend des Ortes. Erholung und Entspannung fand er in den gemeinsamen Familienurlauben an der Ostseeküste der DDR und Polens, in der Tatra der CSSR, dem ungarischen Plattensee und am Schwarzen Meer in Bulgarien.
Er lebt gerne in der Region, aber ihn ärgert der Wegfall jeder Infrastruktur. Keine Einkaufsmöglichkeiten, keine kulturellen Einrichtungen, keine Poststelle...außer einem Friedhof ist nichts mehr da. „Alles schimpft, das sind unmögliche Zustände...“, erzählt er und trägt selbst zum Erhalt von vergangenem bei mit seinem Engagement in der Möhlauer Bergbau-Denkmal-Gruppe. Mit dem Eintritt ins Rentenalter wurde er zudem Mitglied im Bergbau-Verein Bitterfeld. Dort pflegt er mit vielen ehemaligen Bergmännern die Tradition des Bergbaus der Region. Die neuen Reisemöglichkeiten nach der Wende haben er und seine Frau Gisela, mit der er 2012 die Goldene Hochzeit feierte, ausgiebig genutzt. Von Australien, über China, Kanada, Mexiko, Namibia und mehr, haben sie vieles gesehen. Nun treten sie ruhiger, weil die Gesundheit es fordert. Doch eins erzählt Gisela Petschke (ihr halbes Arbeitsleben im DTSB Kreissportbund als Finanzbearbeiter tätig gewesen) noch: Ihr Mann ist sein Leben lang Motorrad gefahren und schwärmt noch heute, dass eine Fahrt mit einer großen BMW-Maschine schon noch etwas Besonderes für ihn wäre....