MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Petzoldt
Herz für die Uni
Professor für Leistungselektronik und Prorektor Bildung der Technischen Universität Ilmenau
98693 Ilmenau
Fon: 03677 / 695010
E-Mail: prorektor-b(at)tu-ilmenau.de
Die Schwester war schon da, vier Freunde wollten mit, also stand der Studienort fest: Ilmenau. Bis heute ist der Sachse Jürgen Petzoldt der Stadt und der Technischen Universität treu geblieben – als Professor im Fachbereich Elektrotechnik. Als „Ausrutscher“ bezeichnet er die Ernennung zum Prorektor für Bildung: Verwaltungsarbeit strebte er nicht an, aber weil ihm seine Universität am Herzen liegt und er sie leistungsfähig machen und weiterentwickeln will, nimmt er seit 2004 auch die Gremien der Universitätsleitung in Kauf.
Petzoldt wurde 1952 in Engelsdorf bei Leipzig geboren und wuchs auf einem landwirtschaftlichen Gut auf. Nach dem Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Ilmenau blieb er als Assistent und Oberassistent. 1995 berief ihn die Universität in Rostock zum Professor – aber die Ehefrau und die vier Kinder wollten nicht umziehen. Also hielt er als Gastprofessor die Verbindung nach Ilmenau lebendig. Nach fünf Jahren konnte er schließlich die Professur für Leistungselektronik und Steuerungen in der Elektrotechnik in der alten Heimat antreten und ganz nach Thüringen zurückkehren. Trotz seiner rein akademischen Laufbahn hat Jürgen Petzoldt auch einen guten Draht zur Wirtschaft. Die universitäre Forschung und Lehre allein würde ihn nicht erfüllen, außerdem braucht ein Lehrstuhl auch finanzielle Unterstützung durch Projekte von außen. Nach der Wende gründete er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern die Firma Thüringer Leistungselektronik TLU, in der etliche Universitätsmitarbeiter und Doktoranden, denen die Arbeitslosigkeit drohte, eine neue Zukunft fanden. 1994 gründeten er und die Kollegen die Forschungsfirma ISLE mit Standort in Ilmenau und Rostock, die Entwicklungsdienstleistungen anbietet. Die Studierenden lernen damit immer den Bezug zur Praxis kennen. Und der Professor kann einschätzen, auf welche wirtschaftlichen Entwicklungen seine Studierenden in den kommenden fünf oder zehn Jahren zusteuern.
Beruf, Kinder, fünf Enkel, viel und schnell lesen und gelegentliche Bastelei an alten Autos, speziell an seinem Wolga-Oldtimer – das ist das Leben, das er mit seinem Lieblings-Zitat der lettischen Schriftstellerin Zenta Maurina garniert: „Unser Leben hat so viel Sinn, wie es Liebe in die Tat umsetzt.“