MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helga und Roland Pestel

Der zweite Weg

Helga und Roland Pestel

Dreherin, Finanzsachbearbeiterin
Lokomotivführer
08371 Glauchau

Für ihre Gemeinsamkeit gab es nur einen Weg. Seit der Heirat 1956 sind sie ihn gegangen bis in die „diamantenen“ Jahre, und noch immer empfinden sie es als größtes Glück, füreinander da zu sein. Doch beruflich fanden sie die Erfüllung nach überwundener Erstorientierung beim Nutzen einer zweiten Chance. Helga Pestel wurde 1935 geboren, ist Glauchauer Urgestein. Die Tochter eines Schlossers und einer Verkäuferin sollte die Werkstatt des Vaters einmal übernehmen, deshalb entschied sie sich nach Abschluss der 8. Klasse für den Beruf des Drehers. In der städtischen Lehrwerkstatt lernte sie dabei auch mit Roland Pestel den Mann fürs Leben kennen. Ihre Ausbildung schloss sie im VEB Getriebewerk Glauchau ab, wechselte dort in die Technologie, bis die Geburt der beiden Kinder (Tochter Petra 1958 und Sohn Jürgen 1961) berufliche Auszeiten zugunsten der Familie forderten. Als Quereinsteiger begann sie 1964 beim Rat des Kreises wieder arbeitsmäßig Fuß zu fassen. Sie qualifizierte sich auf der Abendschule zur Finanzsachbearbeiterin und konnte dort im Bereich Steuern und Abgaben erfüllte Berufsjahre erleben, ehe sie 1990 in den Vorruhestand ging. Roland Pestel kam 1934 am Nordrand des Erzgebirges in Hohndorf zur Welt. Die Schule besuchte der junge Roland bis zur 8. Klasse, absolvierte dann eine Lehre zum Maschinenschlosser im Glauchauer Getriebewerk. Aufgrund auch des familiären Hintergrunds (ein Onkel wurde 1944 von der Gestapo abgeholt und nie wieder gesehen) identifizierte er sich mit dem antifaschistischen Grundverständnis der jungen DDR und verpflichtete sich 1952 für drei Jahre zu deren Kasernierter Volkspolizei (KVP). 1955 fing er wieder im Getriebewerk an, doch der Wunschberuf Lokomotivführer war erhalten geblieben, nur gab es einst dafür keine Lehrstelle. Als die Deutsche Reichsbahn wieder einstellte, war er 1956 dabei und konnte 1960 die Berechtigung zur Führung einer Dampflokomotive in den Händen halten. Bereits 1964 folgte die Prüfung für den Einsatz auf Diesellokomotiven und ab 1966 wurden ihm auch deren schwere Varianten der Baureihe V 180 anvertraut. Als 1977 sein Herz streikte, Operationen und Kuraufenthalte notwendig wurden, musste er vom geliebten Beruf Abschied nehmen. Aber er blieb der Bahn erhalten, arbeitete erst in der Lokleitung des Bahnbetriebswerks Glauchau in Schichten und, als der ärztliche Rat den Verzicht auf Schichtbetrieb nahelegte, in der Materialwirtschaft. Bei den Umstrukturierungen mit dem Ende des DDR-Wirtschaftssystems ging er in den Vorruhestand. Das Ehepaar Pestel erfreut sich heute an vier Enkeln, bisher vier Urenkelkindern und an ihrem Haus und Garten. Seit einem ersten Aufenthalt noch zu DDR-Zeiten ist ihnen bis heute der tschechische Kurort Pod?brady zur zweiten Heimat geworden.
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