MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Winfried und Rita Perl
„Ein erfülltes Leben kann sich jeder leisten.“ (Renè Esteban)
Elektriker i. R.
Lehrerin i. R.
Hauptstr. 17
04741 Roßwein OT Niederstriegis
Fon: 03431 / 613958
Rita Perl, 1939 geboren, sagt von ihrer Mutter: „Die Frau hat enormes geleistet....“ und erklärt, dass sie vier Kinder (später kam ein fünftes hinzu) alleine durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre bringen musste. Der Vater war zum Kriegsdienst eingezogen und das Mädchen Rita sah ihn erstmals als er 1949 aus der Gefangenschaft zurückkehrte. Die Mutter arbeitete beim Bauern, die Großeltern versorgten die Kinder mit – so kamen sie einigermaßen über die Runden. Ein Lehrer weckte in dem Mädchen den Wunsch selbst Lehrerin zu werden. Nach der 8. Klasse ging sie für vier Jahre an das Institut für Lehrerbildung nach Leipzig. Erst 17 Jahre jung, stand sie erstmals vor einer Klasse. „Wenn ich ein Kind habe, das muss zu ihnen in die Schule gehen...“ sagten die Menschen zu ihr – eine größere Anerkennung war nicht möglich. Sie unterrichtete die Unterstufenfächer und Sport in verschiedenen Schulen. Die gute Zusammenarbeit mit den Eltern brachte – neben der schönen Arbeit mit den Kindern – Freude in ihr Berufsleben. „Meine Hausärztin hat bei mir lesen und schreiben gelernt....“ erzählt sie und dass sie 1987 für den Schuldienst berufsunfähig wurde. In einer Einkauf- und Liefergenossenschaft für Sattler und Schuhmacher arbeitete sie die restlichen Jahre bis zum Renteneintritt. Ihren Mann Winfried lernte Rita Perl während eines Elternbesuches kennen. Winfried führte bei dieser Familie gerade Arbeiten aus. 1961 wurde geheiratet. Das Ehepaar wohnt heute in seinem Elternhaus. „Hier im Nebenzimmer bin ich 1936 geboren“ erzählt der Sohn (zwei Geschwister) einer Hausfrau und eines Elektroinstallateur-Meisters. Und von seiner Kindheit: „Wir hatten viel Spaß, viel Spielgefährten durch die Kinder im Dorf und immer draußen, ob Sommer oder Winter mit den vielen Sportmöglichkeiten....da war noch Leben....Fernseher hatten wir nicht....“ Er trat in die Fußstapfen seines Vaters, erlernte nach der Schulzeit den Elektriker-Beruf und stieg in die Firma des Vaters ein. Der richtige Zeitpunkt um hier den Betrieb aufrecht zu erhalten, denn der Vater starb und er übernahm mit 18 Jahren das Unternehmen. Neben der Arbeit musste er sofort die Meisterausbildung absolvieren um die Selbstständigkeit aufrechterhalten zu dürfen. Während zu DDR-Zeiten die Materialbeschaffung schwierig, die Auftragslage gut war, kehrte sich das nach der Wende mit der Zeit um. Ein Herzinfarkt zwang in die EU-Rente und die veränderte Auftragslage letztendlich zur Aufgabe des Familienbetriebes. Sohn Bodo (geb. 1961, Formenbauer, Elektriker, Dipl.-Ing.) sah in der Weiterführung keine Perspektive. Tochter Ines’ (geb. 1963, Schneiderin, Bürokauffrau) Lebensplanung war eine andere. Beide brachten später mit drei Enkelsöhnen viel Freude ins Haus. Der jüngste Enkelsohn wohnt bei den Großeltern in der oberen Etage und ist ihnen Hilfe und Stütze. Vier Urenkelkinder haben die Perls indessen. Viele Bekannte in der Region sorgen für ausreichend soziale Kontakte, das geliebte Autofahren gleicht die indessen stark eingeschränkte körperliche Beweglichkeit etwas aus. Früher hat Winfried Perl Handball gespielt, Wintersport getrieben und sich in der LDPD engagiert, während Rita Perls in verschiedenen Chören mitsang. Heute ist es ruhiger geworden. Malen nach Zahlen ist Zeitvertreib. Politisch haben sich beide zurückgezogen, denn „die große Weltpolitik“ heute befremdet sie doch sehr.