MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Rosemarie und Günter Pausin

„Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“ (Christian Mogenstern)

Rosemarie und Günter Pausin

Forstfacharbeiterin, examinierte Krankenschwester
Fleischer
Bahnhofstr. 8
04779 Wermsdorf OT Mahlis

Ihren Vater hatte das 1939 geborene Mädchen Rosemarie nicht kennengelernt. Er fiel im Krieg und ihre Mutter stand mit vier Kindern allein da. Bei einem Bauern arbeitete sie, wusch wannenweise Wäsche, spülte in kaltem Wasser. Rosemarie Pausin erinnert sich noch wie aufgequollen und rot die Hände ihrer Mutter aussahen. Und daran, dass ihre Mutter Frühstück bei dem Bauern erhielt und ihren Kindern diese Schnitten zwischendurch schnell nachhause brachte. 1946–1954 besuchte Rosemarie die Schule, lernte im Anschluss den Beruf Forstfacharbeiter. Die Arbeit war für das zierliche Mädchen zu schwer. Sie wechselte in das Krankenhaus Oschatz, durchlief eine zweite Ausbildung zur Krankenschwester mit Examen. 1961 heiratete sie ihren Mann Günter Pausin. Im gleichen Jahr wurde Sohn Mathias geboren. Die junge Mutter hatte indessen eine neue Stelle in der Kinderkrippe angenommen, um dem Vierschicht-System im Krankenhaus zu entfliehen. Wegen häufiger Erkrankung des Jungen musste Rosemarie Pausin die Arbeit später jedoch wieder aufgeben. 1975 zog die Familie nach Mahlis um. Rosemarie Pausin arbeitete fortan im Krankenhaus Hubertusburg bis zu ihrem 60. Geburtstag und Eintritt in den Ruhestand. Den genießt sie indessen mit ihrem Mann Günter. Er wurde 1938 in Oschatz geboren. Zwei Jungen waren sie zuhause bei der alleinerziehenden Mutter, denn auch sein Vater war im Krieg gefallen. Er erinnert sich noch an die schwere Zeit: Kartoffeln wurden gestoppelt, Ähren gelesen und Rüben gemaust damit die Familie zu essen hatte. Am Güterbahnhof wurden bei den Russen Kohlen stibitzt. Nicht ungefährlich, aber man konnte zuhause etwas heizen. Nach seiner Schulzeit (1944–1953) lernte er den Fleischer-Beruf und arbeitete auf dem Städtischen Schlachthof in Oschatz. Nach der Hochzeit halfen ihm Hausschlachtungen das Familienbudget aufzubessern. 1957 wechselte Günter Pausin für ein Jahr in eine Fleischerei nach Leipzig, ließ sich dann von seinem Cousin überreden in den Westen zu gehen. Nachdem man ihn dort zur Armee einziehen wollte, kehrte er in die DDR zurück. Die Fleischerei Schubert in Wurzen war seine nächste Arbeitsstelle. Nach der Hochzeit mit Rosemarie kehrte er auf den Schlachthof Oschatz zurück. Acht Jahren später wechselte er in den Konsum Feinkost. Hier war er bei Wendeeintritt noch tätig. Doch der Betrieb war veraltet, hielt den neuen Anforderungen nicht mehr stand und die Produktion wurde geschlossen. Zwei Jahre konnte Günter Peusin noch an der Ladentheke arbeiten, dann kam Marktkauf und zog die Schließung der Filiale nach sich. Mit 62 Jahren ging Günter Pausin mittels Altersübergangsregelung in die Rente. Zwei Jahre war er noch aushilfsweise bei einer privaten Fleischerei tätig, dann schied er ganz aus dem Berufsleben aus. Heute erfreuen sich die Eheleute an dem Haus, das sie einst als „alte Bude“ von der Tante übernahmen und in Eigeninitiative völlig umgebaut haben. „Der Mann mit den goldenen Händen“ sagt Rosemarie Pausin stolz von ihrem Mann. Und auch er erfreut sich heute an dem Geschaffenen. „Wir haben ja alles zweimal gemacht. Einmal vor der Wende und dann nochmal nach der Wende“ erzählt Günter Pausin von den Mühen, die heute belohnt werden mit der Freude an diesem Lebenswerk.
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