MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hannelore und Siegfried Pancratz
Krankenschwester mit Leib und Seele
Krankenschwester
99099 Erfurt
Die am 28.02.1936 in Giersleben (Sachsen –Anhalt) geborene Hannelore Pancratz ging bis zur 8.Klasse in ihrem Heimatort zur Schule. 1950 führte sie ihr Lebensweg für 1,5 Jahre ins Dessauer Diakonissenhaus, wo ein vordiakonischer Kurs den Berufswunsch der Krankenschwester in ihr weckte. Eine Tätigkeit, die auch ihre Mutter schon ausgeübt hatte. Im Anschluss daran absolvierte sie auf der staatlichen Schwesternfachschule in Köthen zuerst die theoretische, danach die praktische Ausbildung. Sie durchlief nahezu alle Abteilungen des Krankenhauses, bis sie 1954 mit der Berufsbezeichnung „Examinierte Krankenschwester“ abschloss. Kurz zuvor rief man sie in das Sekretariat der Schwesternschule um ihr mitzuteilen, dass ihr weiterer Verbleib von ihrem Austritt aus der evangelischen jungen Gemeinde abhängig sei. Nur ihre Bereitschaftserklärung dazu ermöglichte ihr den Abschluss der Ausbildung. Von der Zeitung proklamiert, von den Nachbarn diskutiert und doch nie wirklich durchgeführt war dieser vorgegebene Austritt für sie selbst einfach nur die Chance sich den Berufsabschluss zu sichern, der ihr sonst verwehrt geblieben wäre. 1955 zog Hannelore aus privaten Gründen nach Erfurt und arbeitete fortan bis zu ihrer ersten Hochzeit und der Geburt ihres Sohnes Jürgen (*1959, AOK-Mitarbeiter in Dresden) in der Hautklinik der Medizinischen Akademie. Nachdem sie sich einige Zeit der Kindererziehung gewidmet hatte, stieg sie 1963 als Betriebsschwester bei Umformtechnik in Erfurt wieder ins Berufsleben ein, wo sie bis 1969 beschäftigt war. Da sie auf lange Sicht aber wieder in der Dermatologie arbeiten wollte, bewarb sie sich bei einer Hautärztin in der Erfurter Poliklinik Süd und war dort von 1971–1995 als leitende Abteilungsschwester tätig. Im Zuge der Wendezeit wurden die Außenstellen dieser Poliklinik aufgelöst. Viele Ärzte machten sich selbstständig, und dem älteren Personal wurde angeraten, die Vorruhestandsregelung anzunehmen, was Hannelore auch tat. Sie war früh verwitwet und hatte 1978 ihren zweiten Mann, den Witwer Siegfried Pancratz, kennengelernt. 1985 wurde geheiratet, und obwohl Hannelore einige Jahrzehnte mit Leib und Seele Krankenschwester war, fiel ihr nun der Übergang ins Privatleben nicht schwer. „Wir hatten mehr Zeit für uns und haben bis heute einen großen Garten, in dem es immer etwas zu tun gibt“, sagt sie. „Mein Mann und ich sind absolute Naturmenschen.“ Siegfried Pancratz, 1933 in Königsberg (Ostpreußen) geboren, war 1945 mit dem Schiff von dort geflüchtet, wurde später in Thüringen sesshaft und ist gelernter Starkstrommonteur. Anfangs arbeitete er bei Starkstromanlagenbau, danach 24 Jahre als Elektriker im Kühlmöbelwerk Erfurt. Weitere kürzere berufliche Stationen waren der VEB Medizintechnik, der VEB Werkzeugbau und eine Firma für Heizkostenabrechnung, wo er bis zum Vorruhestand mit 60 Jahren tätig war. Heute genießen Hannelore und Siegfried Pancratz ihre freie Zeit mit regelmäßigen Skat– und Doppelkopfturnieren im Freundeskreis, lesen gern, lösen Kreuzworträtsel und haben mittlerweile drei Enkeltöchter. Auf die Frage, welcher Leitspruch Hannelore Pancratz in ihrem erfüllten Leben besonders geprägt hat, verweist sie auf Franz von Assisi: „Tu zuerst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“