MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Klaus Pabst
Ein erfülltes Leben
Dipl.-Physiker
07743 Jena
Geboren im Juli 1926 in der Weimarer Republik in Weimar, kam Klaus Pabst zur Schule als der Faschismus in Deutschland sein „tausendjähriges Reich“ ausrief. Im Kindesalter ahnte er sicherlich noch nicht, dafür auch einmal sein Leben riskieren zu müssen. Nach Beendigung der 8. Klasse an der Volksschule begann er 1941 eine Lehre zum Elektroinstallateur. Eigentlich auf drei Jahre ausgelegt, musste er diese bereits 24 Monate später aufgeben und wurde zu einem Qualifizierungslehrgang zum Funkmessmechaniker (Radartechniker) bei der Wehrmacht (Luft / Nachrichten) eingezogen. Bevor Klaus Pabst jedoch seinen Dienst bei der Truppe antrat, ermöglichte man ihm noch die Gesellenprüfung. Als seine Beobachterstellung in Süddeutschland im Frühjahr 1945 aufgegeben wurde, bekam er die Wahl: Entweder zur Waffen- SS oder zu den Fallschirmjägern. Er entschied sich für Letzteres, musste aber keinen Einsatz mehr erleben und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Dort erfolgte ein mehrmonatiger Einsatz in der Landwirtschaft als Roßknecht. Der Rückkehr ins Gefangenenlager entzog er sich, so dass er keine Entlassungspapiere aus der Gefangenschaft besitzt. Einige Zeit später überschritt Klaus Pabst illegal die damalige Grenze in die sowjetische Besatzungszone und kehrte in seine Geburtsstadt zurück. Hier kam er zunächst kurzzeitig in ein Internierungslager und fand nach der Entlassung Arbeit im Beruf bei einem privaten Handwerksmeister. Dann wechselte er zur Berkaer Bahn (heute Ilmtalbahn), die damals noch in privater Hand war. Hier sorgte er dafür, dass deren Wagen als erste Nebenbahn in Thüringen nach dem Kriege wieder mit elektrischem Licht fuhren. Ende der Vierziger Jahre wurde diese von der Deutschen Reichsbahn (DR) übernommen und Klaus Pabst dort weiterbeschäftigt. Der Betrieb delegierte ihn 1951 an die Arbeiter- und Bauern- Fakultät (ABF) der Humboldtuniversität in Berlin. Nach einem Jahr kehrte er zwar aus familiären Gründen nach Thüringen zurück, konnte aber an der ABF der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) fortsetzen und hier seine Hochschulreife erwerben. Dem schloss sich unmittelbar ein Physikstudium an der FSU an. Anschließend begann für Klaus Pabst eine über vierzigjährige Tätigkeit bei Carl Zeiss in Jena, wohin er mit der Familie dann auch zog. Zunächst arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zellenlabor des Forschungszentrums. Als sein Forschungsgebiet auf Grund der Spezialisierung im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) nach Ungarn verlagert wurde, wechselte er in die Wissenschaftsorganisation von Zeiss. Hier bekleidete Klaus Pabst in den Folgejahren auch immer wieder leitende Positionen, bis er schließlich Mitte 1991 in den Ruhestand ging. Mit seiner Ehefrau Ruth war ihm kurz vor ihrem Tode noch vergönnt, das seltene Jubiläum der Diamantenen Hochzeit zu feiern. Sie arbeitete an der Volkskunstschule Jena und konnte dort ihren künstlerischen Neigungen in entsprechenden Mal- und Zeichenzirkeln nachgehen. Viele der Werke in seiner Wohnung sind eine bleibende Erinnerung an gemeinsame Ehejahre. Klaus Pabst ist noch Mitglied im Verein Technik und Industriegeschichte Jena e. V. Fotografie und deren Bearbeitung am PC gehören zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Vor allem aber wandert er gerne wöchentlich mit anderen ehemaligen Zeissianern, hofft noch lange fit zu bleiben und ein ordentliches Lebensende zu finden.