MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Horst Olack

In der Kameradschaft gehört er zu den Ältesten

Horst Olack

Schuhfacharbeiter
Stellvertretender Leiter im Haus der NVA
99097 Erfurt

Er ist ein Mann mit Grundsätzen und lässt sich nicht verbiegen. Bis heute pflegt Horst Olack aus Erfurt Kontakt zu seiner früheren Grenzeinheit in Dermbach / Rhön. Die Treffpunkte in der Kameradschaft gehören zu festen Traditionen, die einer wie Horst Olack nicht missen möchte. Dort gehört er zu den älteren Mitgliedern der Kameradschaft „Florian Geyer“ e,. V. mit der Mitgliedsnummer 148. Horst Olack ist seit 1958 verheiratet mit seiner Ingrid (Stepperin in der Schuhindustrie), die schwerkrank ist und die er seit Jahren liebevoll betreut. Das Paar hat vier Kinder (Siegmund, Michael, Ina und Simone), fünf Enkel und einen Urenkel. Geboren 1935 in Oels bei Breslau (Schlesien, heute Polen), wuchs Horst Olack unter fünf Geschwistern auf und wurde 1942 in Oels eingeschult. Im Januar 1945 durch den Krieg vertrieben, kam die Familie in die Tschechei, wurde zwangseingewiesen und erlebte dort das Kriegsende. Die Familie kam in Oels wieder zusammen, hatte die Chance, dort zu bleiben, aber als polnische Bürger. Die Eltern entschieden, nach Deutschland zu gehen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft mit Entwicklungschancen zu bieten. Über Mecklenburg kam die Familie 1946 nach Erfurt. Der Vater, ein Schuhmacher, wusste, dass es in Erfurt die Schuhindustrie und Arbeit für ihn gab. Horst Olack setzte seinen Schulbesuch fort und machte nach dem Abschluss der 8. Klasse von 1951-1954 eine Lehre zum Schuhfacharbeiter. Der Beruf machte ihm Spaß und er wollte zum Ingenieurstudium nach Weißenfels gehen. Doch dazu kam es nicht. Als Sohn eines Sozialdemokraten hatte Horst Olack den Wunsch, ein neues Deutschland aufzubauen. Er engagierte sich politisch in der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Er ging mit FDJ-Aufgebot für drei Jahre freiwillig zur Grenzpolizei, war in der Rhön/Bezirk Suhl Gruppen- und später Postenführer. Er wurde ge- und auch befördert, wurde Zugführer und auf eigenen Wunsch nach zwölf Dienstjahren als Stabsfeldwebel entlassen. Während der aktiven Dienstzeit von 1956–1968 bei der Grenzpolizei / Grenztruppen erlebte er die Ermordung von zwei Kameraden – W. Estel 1956 in Buttlar und R. Arnstadt 1962 in Wiesenfeld / Geismar. Auch diese Erlebnisse haben ihn politisch geprägt. Horst Olack hatte sich für seine Familie entschieden, statt 25 Jahre Dienst bei der NVA zu leisten. In Meißen / Siebeneichen studierte er vier Jahre (Fernstudium) an der Kulturschule und schloss als Staatlich geprüfter Klubhausleiter ab. In Vorbereitung auf das Fernstudium hat er 1968 an der Volkshochschule Erfurt in den Grundlagenfächern Deutsch, Mathematik, Physik, Russisch und Staatsbürgerkunde den Abschluss der 10. Klasse nachgeholt. Bis zur Wende arbeitete er als Zivilbeschäftigter der NVA im Erfurter Haus der NVA und war dort stellvertretender Leiter. Er organisierte Veranstaltungen, hielt Verbindungen zu den bewaffneten Organen und zur Öffentlichkeit. Am 24. Dezember 1990 erhielt er seine Kündigung. Das war sein Weihnachtsgeschenk, man hatte für Horst Olack keine Verwendung mehr, hieß es seitens der Bundeswehr. Im Alter von 55 Jahren stieg er kurz ins Versicherungsgeschäft ein, hatte aber keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Er konnte in den Vorruhestand treten, suchte sich aber einen Job als Aushilfskraft für Geldtransporte - das ging fünfeinhalb Jahre. Sein Glück ist eine intakte Familie. Viele Jahre hat sich Horst Olack im Karneval engagiert. Heute ist er noch Ehrenmitglied im Landesverband Thüringen. Politisch und sportlich (Boxen) ist Horst Olack weiter sehr interessiert. Den 60. Hochzeitstag mit seiner Frau und der gesamten großen Familie will er noch feiern. Dieses Ziel haben sich die Eheleute gesetzt. Ursprünglich wollte Horst Olack Berufsmusiker werden und Saxophon lernen. Doch seine Eltern hatten nicht das Geld für eine Ausbildung. Er lebt gern in Erfurt und betreut seine Frau mit viel Liebe und Fürsorge.
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