MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Wilma und Dieter Oettel

„Helfen ist unser Handwerk“

Wilma und Dieter Oettel

Inhaber Sanitätshaus i. R.
Wolfsgässchen 17 b
08626 Adorf
Fon: 037423 / 47598

Menschen bei den kleinen und größeren Gebrechlichkeiten des Lebens zu helfen, ist der Anspruch, dem das Adorfer Sanitätsunternehmen „Oettel Orthopädie-Technik, Sanitätshaus, Rehabilitationsmittel“ bereits seit 1930 nachkommt. Hier im Vogtland ist die Firma, heute von Sohn Holm Oettel betrieben (Fischer & Oettel Orthopädietechnik), ein Begriff. Wilma Oettel und ihr Mann Dieter übernahmen das Geschäft von ihrem Vater. Als Wilma Ströder wurde sie 1942 in Adorf geboren, besuchte sie acht Jahre die örtliche Grundschule, die schon die Ziele der DDR vermittelte und sie sagte zu ihrem Vater: „Du bist ja auch ein Kapitalist und beutest andere aus.“ Ins Ferienlager durften nur Arbeiterkinder, für sie gab es keine Möglichkeit. Dafür fuhr sie mit neun Jahren allein in den Harz zu einer befreundeten Familie. Mit Hilfe der Schaffnerinnen war das möglich, heute wäre es undenkbar. Inzwischen wurden die Großbetriebe enteignet zu VEB und LPG „umgestaltet“. „Unsere Werkstätten und Betrieben sollten den Polikliniken (dort hatte man die Ärzte zusammengefasst) und Krankenhäusern angeschlossen werden. Mein Bruder war schon Meister in der Oelsnitzer Poliklinik. Er brauchte kein Starkapital, hatte weniger Büroarbeiten zu erledigen und pünktlichen Feierabend. Wir überlegten auch, ob es denn noch Sinn hätte, sich selbstständig zu machen. Von guten Kontakten zu den Ärzten und dem Abrechnen mit staatlichen Versicherungen (SVK, DVA usw.) war unser Beruf schon immer abhängig und die zahlten sehr wenig, was mit einer hohen Zahl von Überstunden ausgeglichen werden musste. An Investitionen war kaum zu denken,“ berichtet Wilma Oettel. Während der dreijährigen Lehre beim Vater (Bandagistenmeister) holte sie noch in der Abendschule Oelsnitz die mittlere Reife und anschließend in Eisenberg die Hochschulreife nach. In Jena konnte sie dann die Aufnahmeprüfung für die ABF ablegen. Sie entschloss sich aber doch die Meisterprüfung in der Forschungswerkstatt für Orthopädie Rudolf Elle Krankenhaus in Eisenberg / Thüringen zu machen. 1965 konnte sie den Meisterbrief in Empfang nahmen, den „Goldenen Meisterbrief“ bekam sie 2015 von der Handwerkskammer Chemnitz verliehen. „Das große Glück – ich hatte es – war meine Familie und der Betrieb. Er erforderte unserer ganze Kraft und Energie. Das Bemühen politischen Strömungen zu widerstehen, den Anschluss zu behalten, kam einem laufenden Freischwimmen gleich. Die Wende war eines der größten Glücksgefühle. Die noch zu erleben, unterstützen zu können, Treffs zu organisieren, Papiere einzulagern, Abhörzentralen auszuheben, endlich die Gewißheit zu erlangen, dass es gleich denkende Menschen gab, glich einer Euphorie – ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass alles auch vergänglich sein könnte. Nun galt es wieder schnell zu handeln, unter Aufbietung aller Kräfte. PC-Anschaffung. Lehrgänge in Hof, selbst die Kapazitäten eines guten Materiallagers zu haben, noch ohne bisher ein eigenes Geschäft zu besitzen, zahlten sich aus. Es gab jetzt alles, aber für die D-Mark. Die Rechnungen bezahlten die Versicherungen noch nicht, es mussten Kontakte und Netzwerke aufgebaut werden. Viel neues, das mit Engagement und Durchsetzungsvermögen gemeistert werden musste. Freundschaften, Hobbys – alles trat vorübergehend in den Hintergrund – aber wir haben es geschafft,“ berichtet Wilma Oettel stolz. Dieter Oettel, Jahrgang 1941, kam in Netzschkau zur Welt, schloss die Schule mit der 10. Klasse in Plauen ab, absolvierte eine Lehre als Maschinenbauer bei der Werkzeugmaschinenfabrik (WEMA) Plauen. Nachdem er zwei Jahre Armeedienst geleistet hatte, entschied er sich (die Bekanntschaft mit Frau Wilma – Heirat 1964 – hatte in sein Leben eingegriffen) ebenfalls für die Gesundheitsbranche und ließ sich in Eisenberg zum Orthopädiemechaniker (1963–1966) umschulen. Danach begann er im Adorfer Familienbetrieb, den seine Frau 1970 vom Vater übernahm und den beide gemeinsam führten, und ein Filialnetz in Markneukircher, Klingenthal, Oelsnitz aufbauten. 2001 hatte Sohn Holm das Geschäft „Bandagen Fischer Orthopädie-Technik“ in Plauen übernommen. Dieter Oettel war vor allem für die Großorthopädie (Prothesenbau) zuständig, arbeitet noch heute gelegentlich für das Geschäft des Sohnes. Die Freude an der Musik brachte Wilma Oettel zum Klavierspielen und zu über fünfzigjähriger Mitgliedschaft im Katholischen Kirchenchor, während Dieter Oettel seine Stimme im örtlichen Männergesangverein erklingen lässt. Seine Liebe zu Münzen und Briefmarken und zur heimatlichen Historie manifestierte sich in einem eigenen Buch zur Adorfer Postgeschichte. Wilma und Dieter Oettel freuten sich über Tochter Heike (1964 geboren) und Sohn Holm (1968) sowie vier Enkel. Beide arbeiten gern im Garten und im vor zwanzig Jahren errichteten Eigenheim, schätzen es aber ebenso, die Welt zu entdecken, waren zwischen Thailand und Mexico, den Malediven und Kenia unterwegs.
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