MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Hannelore Opitz

Als Christin bewusst den Glauben leben

Hannelore Opitz

Freiherr-vom-Stein-Str.
08412 Werdau
Fon: 03761 / 73646

Hannelore Opitz wird am 2. April 1930 als erstes Kind geboren und wächst mit zwei weiteren Schwestern auf. Der Vater, gelernter Kaufmann, ist ab 1936 als Inspektor in einer Verwaltung tätig. Die Mutter ist Hausfrau. Die kleine Hannelore träumt davon einmal ein ebenso tüchtiger und geschickter Goldschmied zu werden, wie der Opa. Doch die damaligen Verhältnisse zerbrachen diesen Traum. Nach vier Jahren Volks- und vier Jahren Oberschule war 1945 der Krieg zu Ende, der Vater vermisst und die Familie enteignet und aus ihrem Siedlungshaus in Nacht und Nebel auf die Straße gesetzt. Als Tochter eines „Nazis“ in leitender Stellung wurde sie nur „rumgeschubst und bekam keine Lehrstelle“, erinnert sich Hannelore Opitz an diese Zeit. 1947 geht sie in das 4-Zonen Berlin und beginnt eine Lehre als Krankenschwester, zuerst in Dahlem (Bethel) und danach im evangelischen Johannesstift in Spandau. Durch die Erkrankung der Mutter 1951, brach sie die Ausbildung ab und begann ein Pädagogik-Studium in Leipzig. Hier schloss sie sich einer Widerstandsbewegung an, die die Verhältnisse in der DDR kritisiert und auch ändern will. Nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 bricht sie das Studium ab und arbeitet anschließend als Hilfsschwester in einem damals noch so genannten „Altersheim“ in Jena. Hier wird sie im August 1954 verhaftet und anschließend wegen angeblicher Spionage und „Wehrkraftzersetzung“ zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1959 sitzt sie im berüchtigten Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle und anschließend im ebenfalls übel beleumundeten Frauenzuchthaus Hoheneck bei Stolberg ein. Nach ihrer Haftentlassung wird sie 1960 von der Stasi als Näherin in ein privates Geschäft vermittelt. Im Jahr 1962 heiratet Hannelore Opitz ihren Mann Siegfried, einen Bauingenieur. Das Ehepaar adoptiert zwei Kinder, die Tochter Manuela, die später als Fernkraftfahrerin über Land fährt und heute in Spanien lebt, sowie den Sohn René, gelernter Maurer. Dieser arbeitet später als Handelsvertreter und schenkt seinen Eltern einen Enkel, der heute bereits 27 Jahre alt ist. Hannelore Opitz arbeitet inzwischen im Heim „Martin-Andersen Nexö“ im Dreischichtsystem. Dies gefällt dem Mann nicht und so sucht sie sich eine neue Arbeit als Wäschereifacharbeiterin in Leipzig. Im Jahr 1970 zieht die Familie nach Hartmannsdorf in das Elternhaus des Mannes, wo Hannelore Opitz, deren Kaderakte versehentlich nicht angefordert wurde weil ihre politische Vergangenheit unbekannt war, nun die Gelegenheit bekam eine Ausbildung als „Sachbearbeiter für Staatshaushalt“ abzuschließen und bis zur Rente eine Anstellung im Gemeindeamt findet. Bis 1990 arbeitet sie zudem aktiv in der örtlichen „Volkssolidarität“ mit. Gerade hier kommt es ihr zugute, dass sie sehr gut mit Menschen umgehen kann. Sie versucht stets zu vermitteln und freut sich, wenn sie auf Menschen trifft, die ebenfalls tolerant und hilfsbereit sind. Inzwischen hat Hannelore Opitz zwei Schlaganfälle hinter sich und nach ebenfalls schwerer Erkrankung des Mannes hat das Ehepaar das Haus in Hartmannsdorf aufgegeben und ist in ein betreutes Wohnen nach Werdau gezogen. Die bewusste Christin sieht vor allem Albert Schweitzer als ihr großes Vorbild an, würde gern dichten können und träumt davon, einmal ihr Leben für ihre Nachkommen aufzuschreiben.
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