MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Johanna Obst

„Erziehung besteht aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe.“ (Friedrich Fröbel)

Johanna Obst

Landwirtin
Sörnziger Str. 23
09306 Seelitz OT Sörnzig

Das Haus in dem Johanna Obst heute lebt ist ihr Geburtshaus. 1935 kam sie hier zur Welt. Sie wurde in eine Bauersfamilie hineingeboren. Die Eltern bewirtschafteten einen privaten Hof bis die unter dem Motto „Sozialistischer Frühling auf dem Land“ eingeläutete Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR auch für sie 1960 den Beitritt in die LPG brachte. Die Kindheit des Mädchens Johanna fiel in die Kriegs-und Nachkriegszeit. Sie erinnert sich an das Flüchten in den Keller während Bomben fielen und an den schwarzen Schnee den man sah wenn man wieder ans Tageslicht trat. Ihr einziger Bruder – 1929 geboren – wurde einberufen und auf den Krieg vorbereitet. Doch bevor er an die Front musste war der Krieg glücklicherweise zu Ende. Acht Jahre besuchte das Mädchen Johanna die Schule (1941–1949), wurde zeitig zur Hilfe auf dem sieben Hektar großen elterlichen Hof herangezogen. 1954 starb die Mutter. Der Vater heiratete erneut, doch auch die zweite Frau starb bald. Der Vater musste alleine wirtschaften, da war die Mithilfe der Kinder unerlässlich. Der Eintritt in die LPG wurde zur Erleichterung, denn 1960 starb auch der Vater schließlich. Tochter Johanna besuchte nach der Schulzeit die Landwirtschaftsschule um theoretische Kenntnisse zu erlangen, arbeitete in der Praxis auf dem elterlichen Hof. Als Mitglied der „LPG Muldenperle“ Rochlitz blieb die junge Frau Johanna 1960–1970 dort weiter in der Landwirtschaft tätig (auf dem Feld und im Stall). 1957 heiratete sie den Maurer Werner. Im gleichen Jahr kam Tochter Bärbel zur Welt (Postangestellte), 1963 folgte Tochter Christine (Köchin). Johanna Obst wechselte als Verkäuferin in einen Spielzeugladen und nach zwei Jahren in ein Umschulungszentrum wo sie als Köchin und Raumpflegerin in häuslicher Nähe arbeiten konnte. Mit 55 Jahren trat sie 1990 in den Vorruhestand. Dadurch war es ihr vergönnt mit ihrem Mann mehr gemeinsame Zeit verbringen zu können, der 1998 verstarb. Die hilfsbereite, freundliche Rentnerin sagt von sich bescheiden: „Ich bin was ich bin und ich bleibe was ich bin.“ Sie ist stolz auf ihre Familie, verbringt mit ihr gerne Zeit. Das Leben auf dem Land hat sich verändert, erzählt Johanna Obst. Manche Nachbarn kennt man gar nicht mehr, die Infrastruktur liegt brach. Wenn nicht jeden Freitag ein Wagen kommen und alles Lebensnotwendige verkaufen würde, wäre es schwierig für ältere Menschen hier zu leben. Die Enkeltochter fährt ihre Oma darüber hinaus zu wichtigen Terminen und wenn sie einmal mehr einkaufen möchte. Johanna Obst will trotzdem nirgendwo anders leben müssen. Hier sind ihre Wurzeln und ihre Erinnerungen. Und: Hier hat sie ihren Garten, der ihre liebste Beschäftigung ist. Jedes Weihnachten freut sie sich alle Familienmitglieder in ihrem Haus mit traditionellem Essen verwöhnen zu können. Damit das noch lange so bleiben kann wünscht sie sich vor allem eine gute Gesundheit.
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