MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helag und Manfred Oehmichen
Große Freiheit und die kleine Weinschorle am Abend
Keltereifacharbeiterin i. R.
Schmied, Schlossermeister, Betriebsleiter i. R.
Würschwitz 16
04668 Grimma OT Würschwitz
Fon: 034382 / 41800
Helga Oehmichen wurde am 05.05.1939 in Trebsen geboren, ihr Mann Manfred am 29.07.1939 in Würschwitz. Er wuchs mit einer Schwester auf. Sie war eines von insgesamt neun Geschwistern und regelmäßig freut sich das Paar auf einen ganz besonderen Tag. Alljährlich findet bei Speis und Trank ein großes Geschwistertreffen statt und Neuigkeiten machen die Runde.
Manfred Oehmichen beendete 1953 die Schule und ließ sich bei einer Firma für Hufbeschlag und Wagenbau zu Schmied ausbilden. Seine Karriere nahm ihren Lauf im Steinbruch der Splittwerke Hohnstädt. Drei Jahre verbrachte er bei der Bereitschaftspolizei und kehrte als Schlosser und Instandhalter an seinen Betrieb zurück. Er nutzte die Angebote der Betriebsakademie für sein Meisterstudium, erhielt 1977 den Abschluss als Meister für schwere Zuschlagstoffe und hatte das große Glück, eine Ingenieursstelle bekleiden zu dürfen. Letztendlich führte sein Aufstieg bis hin zum Betriebsleiter, doch schon im Vorfeld war Manfred Oehmichen für sein vorausschauendes Denken weithin bekannt.
Ehefrau Helga fand ihre erste Anstellung bei den Wurzener Kunstmühlen und Biscuitfabriken in der Gebäckherstellung, arbeitete später im Verpackungsbereich der Zellstofffabrik und stieß in der Obstkelterei Fabian für eine ganze Dekade auf ihren schönsten und erfüllendsten Arbeitsplatz. Die Serviceangebote des Unternehmens waren heiß begehrt und eine riesige Menschenmenge stand Schlange. Saft, Wein oder Sekt diente nicht nur dem Eigenbedarf, sondern galt in der DDR als überaus beliebtes Tauschmittel gegen Raritäten. Dann kam die Wende, welcher auch dieser Betrieb zum Opfer fiel und für Helga Oehmichen den Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeutete.
Doch eng mit der Kelterei ist ein großes Steckenpferd des Paares verknüpft. Gemeinsam widmen sie sich seit vielen Jahren der Weinherstellung aus Weintrauben und Kirschen. Dabei bedauern die Eheleute, im Alter kaum noch alkoholische Getränke genießen zu können. Eine kleine Weinschorle gibt es allabendlich dennoch.
Kennen gelernt hatten sich Helga und Manfred Oehmichen im Kulturhaus Trebsen beim Tanz. Das Hochzeitsfest wurde 1961 begangen und die Kinder Jürgen und Petra wurden geboren. Heute haben die beiden vier Enkel und verbringen sehr viel Zeit mit ihrem derzeit 12-jährigen Urenkelsohn.
Oehmichens bewohnen das Haus ihrer Vorfahren, das einst überaus sanierungsbedürftig war. In mühevoller Kleinarbeit wurde sich der finanzintensiven Rekonstruktion gewidmet, was viel Verzicht bedeutete.. Doch Schulden kamen niemals in Frage, was in erster Linie Helga Oehmichens planvollem Handeln gedankt sein darf.. Schon Bejamin Franklin bemerkte dazu: „Wer sich in Schulden steckt, gibt andern ein Recht über seine Freiheit.“ Oehmichens haben ihre Freiheit niemals verloren.