MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Obst
Kindheit in der Dahlener Heide
Kindergärtnerin
Burgstr. 31
04758 Oschatz
Glückliche Zeiten und schwere Erlebnisse bescherte das Schicksal Helga Obst in sehr jungen Jahren. Sie erinnert sich daran, wie sie im Alter von sechs Jahren beim Beerenpflücker mit dem Nachbarjungen menschliches Haar fand und Opa Jahncke ihnen vom früheren Postfriedhof in Schmannewitz erzählte. Aber auch an das Fangen der Fische im Bach, das Barfußlaufen über Stoppelfelder, das Dreschen von Getreide mit dem Dreschflegel, das Buttern mit dem Butterfass, das Sammeln von Pilzen, Holz und Kienäpfeln und wie sie miterlebte, dass jemand für tot gehalten von der Bahre wieder aufstand – eine abenteuerliche Kindheit. Doch genauso erinnert sie sich an die SS und den Riss zwischen Hitlerergebenen und Kritischen der durch die Familie ging. Die erschossenen KZ-Häftlinge im Straßengraben erschütterten sie, andererseits konnte sie bei den Großeltern in Schmannewitz, im dortigen Café Jacob, viel Liebe erleben, hatte spannende Zeiten mit den Bauernkindern der Gegend. Selbst die Chefin des Dahlener Barockschlosses aus dem Hause der Adelsfamilie Sahrer von Sahr pflegte mit der kleinen Helga entspannten Umgang. In Dahlen war sie 1936 zur Welt gekommen, in Oschatz besuchte sie acht Jahre die Schule. Wie auch mehrmals in ihrem späteren Leben hinderten gesundheitliche Probleme weitergehende Ambitionen. Nach Schulabschluss versorgte sie ein Jahr die erkrankte Großmutter, dann fing sie als Arbeiterin in der Nudelfabrik von Zschöllau an, wechselte nach einem Jahr in die Papierfabrik, wo es ihr besondere Freude machte, die Zuckertüten für Schulanfänger zu bekleben. Südlich von Oschatz, in Hohenwussen und Gastewitz, fand sie im Kindergarten als Hilfskraft neue Aufgaben und ihr eigentliches Wirkungsfeld, von Kindern und Eltern geschätzt, auch wenn sie nie einen diesbezüglichen Berufsabschluss erwerben konnte. In der Kinderkrippe des Krankenhauses Schloss Hubertusburg in Wermsdorf widmete sie sich später dem jüngsten Nachwuchs, ehe die Heirat 1962 und die eigenen Kinder sie mit familiären Pflichten banden. Auf Hubertusburg half sie gelegentlich noch aus, wurde, als ihre älteren Kinder in die Schule kamen, 1973 im Oschatzer Kindergarten in der Vorwerksgasse wieder mit erzieherischen Aufgaben betraut, erst zwei Stunden am Tag, dann für sechs Stunden. Vierzehn erfüllte Jahre konnte sie dort wirken, dann wurde sie von Jungen und Mädchen in ihrem Viertel gebraucht, die letzten Jahre bis zum Vorruhestand half Helga Obst im Kindergarten „Unterm Regenbogen“.
Seit der Heirat 1962 bis zum Jahr 2014, als er verstarb, stand ihr Mann Gerhard an ihrer Seite, er arbeitete als Maurer, Fliesenleger und zuletzt als Heizer in der Oschatzer Waagenfabrik. Zwei Töchter (Vera 1962 und Sylvia 1963) und der Sohn (Dieter 1970) prägten das Familienleben, inzwischen durch vier Enkelkinder und erste Urenkel erweitert. Wie Peter Rosegger in seinem Gedicht wünschte sich auch Helga Obst: „Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit, ein bisschen mehr Güte und weniger Neid…“