MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gisela Oberländer

Spannende Ökonomie, aufregende Lektüre

Gisela Oberländer
Ingenieur-Ökonom

08529 Plauen

Einen erstaunlichen Werdegang hat die einstige 8-Klassen-Schülerin nehmen können. Mit einem Zwillingsbruder kam sie 1935 in Plauen zur Welt, wo der Vater im Gaswerk, die Mutter in der Textilindustrie tätig waren. Nach dem Abschluss der 8. Klasse konnte sie eine Lehre zur Postfacharbeiterin aufnehmen, nach deren Abschluss wirkte sie im Buchhaltungsbereich des Postzeitungsvertriebes der Kreisstadt. Heirat 1955 und Babyjahr unterbrachen die Berufstätigkeit, später erwiesen sich Arbeitszeitregime und Kindergartenöffnungszeiten als unvereinbar. Sie wechselte darum als Buchhalterin zu einem Meliorationsbaubetrieb und fand später beim Graphischen Großbetrieb VEB Sachsendruck längerfristige Perspektiven, holte den Abschluss der 10. Klasse nach, qualifizierte sich in vierjährigem Fernstudium zur Ingenieur-Ökonomin. Zu Beruf und Familie war abends und an den Wochenenden das Lehrmaterial ihre Hauptbeschäftigung, für Konsultationen und Prüfungen ging es gelegentlich nach Leipzig. Aber danach konnte sie im VEB Sachsendruck zur Fachdirektorin für Ökonomie aufsteigen, Planung, Finanzen, Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht, Tarifgestaltung verantworten. Bei der Privatisierung nach Ende der DDR entfiel ihr Aufgabengebiet, sie entschied sich selbstbewusst für den Vorruhestand. Ihr Erfahrungsschatz war manchem Neuankömmling aus westlichen Gefilden überlegen, marktwirtschaftliches Denken war ihr keineswegs fremd, neues Wissen wurde schnell erarbeitet, aber sich unter Wert zu verkaufen, kam nicht infrage. Mit ihrem Mann Gerhard, beim Rat der Stadt Plauen tätig, 2012 bereits verstorben, genoss sie regelmäßig Schwimmaktivitäten im vogtländischen Staatsbad Bad Elster. Nun nutzt sie näher gelegene Möglichkeiten, sich im Wasser fit zu halten. In ihrer Eigentumswohnung mit Terrasse im Grünen fühlt sie sich wohl. Zwei Enkel, ein Urenkel bereicherten das Familiengeschehen, Tochter Dagmar ging leider bereits von ihnen. Wenn andere vor dem Fernseher hocken, greift Gisela Oberländer zum Buch. Im Gegensatz zu ihrem menschlichen und beruflich seriösen Wirken habe es ihr dann Mord und Totschlag angetan, denn „ohne Krimi geht die Mimi nie zu Bett und es brennt die ganze Nacht das Licht.“
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