MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helga und Erhard Noatzsch

„Wer leben will, der muss was tun.“ (Wilhelm Busch)

Helga und Erhard Noatzsch

Damenschneiderin
Zimmermann
Neumilkau 81
04736 Waldheim
Fon: 034327 / 91195

Als Tochter eines Schrankenwärters und seiner Frau 1936 im Bahnhäuschen Reinsdorf geboren, verlebte das Mädchen Helga eine sorglose, naturverbundene Kindheit. Noch heute verbindet sie eine tiefe Freundschaft mit ihren ehemaligen Schulfreundinnen. 1942–1950 besuchte sie die Schule. Sie erinnert sich: „Wir sind im Krieg groß geworden. 1945 standen 12 amerikanische Panzer hier an der Brücke. Zwei deutsche Soldaten stellten sich ihnen auf der Brücke entgegen, glaubten den Krieg noch gewinnen zu können. Zwei Schwarze (Ärzte) im Jeep fuhren auf sie zu und haben sie erschossen. Andere Wehrmachtsangehörige wurden gefangen genommen.“ Erlebnisse, die sich bis heute im Kopf eingebrannt haben. Der Schulzeit folgte eine Lehre zur Damenschneiderin. Ihren Mann Erhard lernte sie kennen, weil dieser bei der Bahnpolizei arbeitete und auf seinen Kontrollgängen ständig am Bahnwärterhäuschen entlang kam. 1955 wurde geheiratet. Sohn Joachim wurde geboren (1956, Autoschlosser). Vier weitere Kinder folgten: Steffen (1964, Maurer), Thomas (1966, im Landratsamt tätig ), Gabi (1969, Immobilienkauffrau) und Jens (1971, Landwirt). Gemeinsam haben sie indessen für sechs Enkel und vier Urenkel gesorgt. Die Noatzsch haben viel Herzblut in die Erziehung ihrer Kinder gesteckt. Erhard Noatzsch erklärt: „Ich habe immer gesagt, ihr lernt erst einmal etwas anständiges, dann könnt ihr machen was ihr wollt. Aus ihnen sollte etwas werden.“ Das ist gelungen und die Eltern sind sehr stolz auf ihre fünf Kinder. Helga Noatzsch verknüpfte Notwendiges mit Möglichem, arbeitete in der Kinderkrippe und im Kindergarten um dort Plätze für die Unterbringung ihrer Kinder zu bekommen. 1988 wechselte sie in die Praxis einer Ärztin, sorgte als Raumpflegerin für hygienische Untersuchungsräume. Den Umzug der Ärztin in eine städtische Praxis wollte sie nicht begleiten. Der Arbeitsweg wäre zu aufwendig gewesen und zudem fand sie mit 63 Jahren und fünf Kindern genug gearbeitet zu haben. Sie ging 1999 in die Rente um die restliche Lebenszeit mit ihrem Mann Erhard (geb. 1934) genießen zu können. Dessen Kindheit war von Hilfe auf dem mütterlichen Hof geprägt, denn der Vater war im Krieg geblieben und er nun „der Mann im Haus“. Nach Ende der Schulzeit ging er bei einem Bauern in Stellung, „Damit ich erstmal was zum beißen hatte denn es gab ja nichts damals nach dem Krieg....“ berichtet er davon. 1948, als sich die Zeiten etwas gebessert hatten, begann er eine Lehre zum Zimmermann. Nach dem Abschluss ging er auf Wanderschaft, wollte neue Arbeitspraktiken lernen, fremde Orte erkunden und Lebenserfahrungen sammeln. Zurückgekehrt arbeitete er drei Jahre bei der Transportpolizei, weil er eine andere Stelle nicht finden konnte. Dafür fand er dabei seine Frau und damit ein lebenslanges Glück! Baumeister Vogt war die nächste Station auf seinem Berufsweg. Dann wechselte er zur Bahn. Er wurde Stellwerker, erlangte den Facharbeiterabschluss dafür. Doch die Bezahlung war zu gering, die Familiensicherstellung schwer. Erhard Noatzsch arbeitete deshalb folgend in einer Stuhlfabrik, dann als Kraft- und Gabelstaplerfahrer in verschiedenen Betrieben. „Ich habe ja auch nicht viel verdient. Wir hatten das Haus gekauft, hatten ein großes Grundstück, haben nebenbei Tabak und Gemüse angebaut und zwei Schweine gehalten um Geld zu verdienen. Mir braucht keiner erzählen was Arbeit heißt....“ ergänzt Helga Noaztsch seinen Bericht. Als Gemeindehandwerker im öffentlichen Dienst war Erhard Noatzsch tätig als die Wende kam. Danach ging er in die Rente. Helga Noatzsch freut sich, dass heute noch Kontakte zu ihren Kolleginnen und den Ärztinnen der letzten Arbeitsstelle bestehen, sie Einladungen zu Treffen erhält. So einen Zusammenhalt kennt man heute sonst gar nicht mehr. Den Ruhestand haben sich die beiden mit Busreisen versüßt – zweimal jährlich, seit 20 Jahren! Eine verdiente Erholung nach so arbeitsreichen Jahren.
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