MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ullrich Nitzsche
Ein Chef mit Mut
Diplom-Ingenieur für Maschinenbau
Ehemaliger Geschäftsführer Meeraner Dampfkesselbau
04639 Ponitz
Chef in der Firma, Chef in der Familie, alles mit entspanntem Selbstbewusstsein – Ullrich hat die ihm gemäße Rolle gelebt, wird von allen freundlich akzeptiert. Der Sohn eines Zimmermanns und einer Reichsbahnangestellten ist 1946 in Ponitz zur Welt gekommen. Dem kleinen Ort am Nordostrand Thüringens blieb er treu, nur gearbeitet hat er wenige Kilometer weiter hinter der Grenze, im Sächsischen. Schon in den Abiturklassen 11 und 12 wurden Ullrich Nitzsche und seine Mitschüler im VEB Dampfkesselbau Meerane eingesetzt, so dass der junge Abiturient nur ein Jahr benötigte, um einen Abschluss als Metallfacharbeiter zu machen. An der Technischen Hochschule im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) erfolgte seine Ausbildung im Fach Maschinenbau, die er als Diplom-Ingenieur beendete. Nun kehrte er wieder in seinen Meeraner Betrieb zurück, um ihm für Jahrzehnte die Treue zu halten. Er fing als Jungingenieur an, wurde Gruppenleiter, Abteilungsleiter und schließlich stellvertretender Vertriebschef, der noch zu DDR-Zeiten schon international agierenden Firma. Nur neigten sich 1990 die DDR-Strukturen der Wirtschaft ihrem Ende zu. Aus dem volkseigenen Betrieb (VEB) wurde eine durchaus selbständige GmbH, von einem arrivierten Investor übernommen, dann in einen Konzern eingegliedert. Ullrich Nitzsche übernahm in der GmbH erst als Fertigungsleiter hohe Verantwortung, doch als 2002 mit der Insolvenz des Konzerns auch das Meeraner Werk gefährdet war, entschloss er sich mit zwei Mitstreitern, als erste sächsische Firma mit einem Insolvenzplanverfahren den Betrieb zu übernehmen. Das finanzielle Risiko war groß, Ullrich Nitzsche wurde nun geschäftsführender Gesellschafter, blieb zehn Jahre Geschäftsführer, auch als die Anteile im Jahr 2007 mit Erfolg an eine interessierte Kapitalgesellschaft verkauft werden konnten. Die Verantwortung für die rund 200 Mitarbeiter wahrzunehmen, die großen Chancen auf dem Markt zu gestalten, mit Partnern in Südafrika oder Indien zu verhandeln, das waren ihm Anliegen, Arbeit und Freude, so dass sich das älteste Meeraner Unternehmen auch nach über 150 Jahren behaupten konnte. Zwei Jahre arbeitete er über das Rentenalter hinaus, bevor er sich im Jahr 2013 zum Ruhestand entschließen durfte. Inzwischen nehmen die beiden Söhne als Fertigungsleiter bzw. Wareneingangschef Verantwortung in der Firma wahr. Die beiden Söhne Steffen und Christian (ein dritter war im Alter von acht Jahren verunglückt) sind es auch, die seine Leidenschaft für alte Fahrzeuge teilen. Die Oldtimersammlung umfasst fast die ganze motorisierte Produktpalette der einstigen DDR (Motorräder, Mopeds, PKW, Traktoren). Seit 1972 ist Frau Gisela, als Erzieherin tätig, an seiner Seite. Einmal im Jahr geht es zum Segelurlaub mit Freunden an die Masurische Seenplatte.