MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. phil. August Nitschke
Neue Fragen an die Geschichte – und abstrakte Steinskulpturen
Historiker
Bei der Ochsenweide 1
72076 Tübingen
1960 erreichte Nitschke ein Ruf an die Stuttgarter TH, dem er gern folgte. In intensiver Tätigkeit als Dekan der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften während der 68er Jahre und im Rektorat – auch als amtierender Rektor – gestaltete er mit Kollegen und Studenten die neue Grundordnung.
Geboren wurde August Nitschke 1926 in Hamburg. Als Tutor und Assistent arbeitete er 1950-1952 am Leibniz Kolleg. Es folgten Auslandsaufenthalte – so in Frankreich. Ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglichte eine dreijährige Tätigkeit in Rom, wo er eine mittelalterliche lateinische Chronik edierte. Seine Untersuchungen basierten von Anfang an auf Beobachtungen zu Zeit- und Raumwahrnehmungen.
In Münster habilitierte er und ging 1960 als erster Historiker nach dem Krieg an die damalige TH Stuttgart und publizierte dort mit Golo Mann die Propyläen-Weltgeschichte. Zudem führte er ehrenamtlich eine Abteilung für Historische Verhaltensforschung am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut. In dieser wurden Abläufe bei Bewegungsweisen, bei Erzählformen und innerhalb von Kunstwerken analysiert. Bei ihrer an der Praxis orientierten Vorgehensweise beschäftigten sich seine Mitarbeiter und er in der Dritten Welt unter anderem mit den Einstellungen zu Zeitrhythmen. Erlaubten diese, die europäischen Vorstellungen von Fortschritt und Wachstum in diesen Gesellschaften auszubreiten?
Professor Nitschke und Professor Jäckel organisierten 1980 den Internationalen Historikerkongress in Stuttgart. Dieser regte Nitschke an, seine in der Dritten Welt erarbeiteten Fragen auf Europa zu übertragen. Er suchte dafür mit anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten: 1986/87 als Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin, 1991/92 in einer Forschungsgruppe für Biologie und menschliche Kultur im ZiF, Bielefeld, als 76-Jähriger an der North-East-University Changchun (Mandschurei) – in engem Kontakt mit neugierig-fleißigen chinesischen Doktoranden.
Zu Hause – bei sechs Kindern sowie 12 Enkeln – erfreuen ihn seine Arbeiten an abstrakten Steinskulpturen.