MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helmut Notzke

Traditionspflege in Reinkultur

Helmut Notzke

Mühleningenieur und technischer Direktor i. R.
Ouluer Str. 23
06130 Halle
Fon: 0345 / 4721445

Helmut Notzke betreibt Traditionspflege in Reinkultur. Eine Mühle fasziniert wohl jeden Menschen. Erblickt man sie, verharrt man davor und träumt von vergangenen Zeiten. Historisch ist auch seine Passion gewachsen. Geboren am 25.03.1931 in Lanzig, einem Dörfchen im Pommern, wuchs er im väterlichen Mühlenbetrieb auf, einem seit Jahrhunderten betriebenen Familienunternehmen. Dies fand kriegsbedingt durch Vertreibung ein jähes Ende. 1946 musste die Familie ihre Heimat verlassen, durchlebte Schreckliches, kam in Erfurt in ein Quarantänelager, in Apolda in ein Barackenlager und lebte, bis eine eigene Wohnung bezugsfertig war, bei einem älteren Ehepaar. Durch diese Wirren hatte Helmut Notzke ein ganzes Schuljahr verloren, baute sich allerdings dennoch eine beeindruckende Karriere auf. „Auf Grund der, im Zuge der Vertreibung, nicht mehr vorhandenen Unterlagen aus der Heimat musste ich nochmals eine Müllerlehre in Thüringen in einer Windmühle absolvieren. Danach arbeitete ich noch in einer Wassermühle mit Wasserrad in der Lausitz, in einer Wassermühle in Bad Sulza, in verschiedenen Kleinmühlen und dann im Nahrungsmittelkombinat Albert Kunz in Wurzen (damals der größte Mühlenbetrieb in der DDR), in der der 120 Tonnen Weizenmühle, der 80 Tonnen Roggenmühle und in der 90 Tonnen Graupenmühle sowie der 20 Tonnen Erbsenmühle (jeweils Tagesleitungen),“ berichtet er. Ab 1953 besuchte er die Fachschule für Müllerei in Dippoldiswalde und erhielt 1956 seinen Abschluss als Mühleningenieur. Das Folgejahr verbrachte er in Radebeul beim VEB Kaffee und Tee und wechselte zu Halloren, heute die älteste noch produzierende Schokoladenfabrik, welche gleich in doppelter Hinsicht ihre Schokoladenseite zeigte. Dort lernte er seine spätere Frau kennen. Seit Mitte der 1970er Jahre lebte das Paar zusammen. Tochter Martina wurde geboren, welche ihr späteres Studium als Ingenieur für Wasserwirtschaft beendete. Erst 1994 schipperten Erna und Helmut Notzke in den Hafen der Ehe. Bei Halloren begann er als Hauptmechaniker, stieg zum Energetiker sowie zum technischen Direktor auf und fungierte kurzzeitig als stellvertretender Betriebsdirektor. Dass er Mitte der 1980er einen Abstecher in den VEB Lederwaren Halle unternahm, hatte sich situationsbedingt ergeben, doch inmitten der Wendezeit kehrte er zu Halloren zurück und blieb bis zu seiner Berentung 1996 im Unternehmen. Ein Gedanke hatte ihn niemals verlassen und schon lange sagte er sich: „Wenn ich Rentner bin, möchte ich eine eigene Mühle haben.“ So kehrte er 1990 mit dem Kauf einer Windmühle nahe Halle zu seinen Wurzeln zurück. In liebevoller Detailarbeit wurde selbige rekonstruiert wie renoviert und Ehefrau Erna war immer dabei. Sie übernahm den Part zu entrosten sowie zu streichen. Genießen konnte sie die schöne Mühle leider nur bis zu ihrem Ableben im Jahre 2015. Helmut Notzke hat vier Enkel sowie einen Urenkel – Kinder, die das Leben lebenswert machen. Innerhalb des Kulturbundes gehörte er dem Arbeitskreis „Mühlen“ an und fiebert jährlich einem großen Tag entgegen. Selber ist er beinahe täglich in seiner Mühle, doch an jedem Pfingstmontag öffnen alle Mühlen auf freiwilliger Basis der Besitzer für Besucher ihre Kleinode – und dies ist wahrlich Traditionspflege in Reinkultur.
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